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Stadtklima in Waldkraiburg

Rolf Trenkle führte im Juli zum Thema Stadtklima durch Waldkraiburg und zeigte anhand von Beispielen verschiedene Ursachen, die zur Überhitzung der Städte führen.

09.09.2021

Herr Trenkle hat seine Ausführungen mit Bildern in einem Text zusammengestellt. Wenn Sie Herrn Trenkles Text als PDF herunterladen möchten, klicken Sie hier!

Auszüge:


Der Klimawandel wird sich in Städten besonders stark auswirken. Städte neigen gegenüber dem Umland zur Überwärmung (städtische Wärmeinsel). In Sommer­nächten kann in großen Städten die Temperatur bis zu 10°C höher sein als im Umland. Dies führt zu einer erhöhten Wärmebelastung der städtischen Bevölkerung. In Deutschland sind im Jahr 2015 rund 6000 Menschen aufgrund hitzebedingter Gesundheitsbelastungen gestorben (1).

Die Überwärmung der Stadt gegenüber dem Umland hat mehrere Ursachen. Dazu gehören:

  • Kühlende Luft aus dem Umland kann oft nur schlecht in die Stadt eindringen, weil die Gebäude den Luftstrom bremsen bzw. blockieren.
  • Künstliche Oberflächen wie Straßen oder Hauswände heizen sich stärker auf als natürliche Oberflächen. So kann nach (2) an einem Hochsommer­tag die Temperatur von Asphalt über 45 Grad Celsius betragen, während gleichzeitig die Temperatur von Wald unter 30 Grad Celsius liegt.
  • Straßenschluchten wirken zusätzlich als Falle für die Sonnenwärme, weil die einfallenden Sonnenstrahlen mehrfach zwischen den Hauswänden reflektiert und dabei auch zu einem bestimmten Grad an den Ober­flächen absorbiert werden.
  • Wo innerstädtisches Grün fehlt, gibt es wenig Kühlung durch Verdunstung und Schattenwirkung.
  • Innerstädtische Wärmequellen wie der KfZ-Verkehr und Gebäude­heizungen erwärmen die Stadtluft zusätzlich.

Um die negativen Effekte des Klimawandels einer bestimmten Stadt zu minimieren, muss eine Analyse des Stadtklimas erfolgen. Dies wird z.B. ausführlich in der städtebaulichen Klimafibel von Stuttgart (2) beschrieben.        

Für die genaue Analyse des Stadtklimas von Waldkraiburg müssten Boden­messungen von Temperatur, Wind und Feuchte sowie Befliegungen der Stadt mit Infrarotkameras vorgenommen werden. 

Aber bereits durch eine Begehung des Stadtgebietes können manche Ent­wicklungsfehler erkannt werden. Zu diesen Fehlern gehören:

  • Zu eng beieinander stehende Gebäude
  • Zu starke Versiegelung der Bodenoberfläche
  • Fehlende Grünflächen und Bäume zwischen den Gebäuden.
  • Fehlende Fassaden- und Dachbegrünung.

Folgende Beispiele sind mir bei einer Stadtbegehung aufgefallen. Dabei habe ich vor allem auf fehlende Grünflächen geachtet, nicht nur wegen der kühlenden Wirkung von Grün, sondern auch wegen der positiven Wirkung von Grün auf die Psyche des Menschen.

Ausblick:

Waldkraiburg trägt im Namen den Begriff „Wald“, was einen Gartenstadt­charakter vermuten lässt. Dieser Charakter vor einigen Jahrzehnten wesentlich ausgeprägter als heute.

Die Starkregenereignisse der letzten Wochen machen das Ziel einer stärkeren Begrünung notwendiger denn je. Hohe Bodenversiegelung führt dazu, dass Regenwasser rasch abgeleitet wird und Überschwemmungen verstärkt. Deshalb wird jetzt der Begriff der „Schwammstadt“ immer wichtiger. Städte müssen durch möglichst viel Grün möglichst viel Niederschlagswasser aufnehmen und erst langsam wieder abgeben.  

Folgende Aktionen sollten auf die Agenda:  

  • An möglichst vielen Straßen Alleebäume pflanzen, Baumverdichtung z.B. auf Parkplätzen vornehmen
  • Fassadenbegrünungen vornehmen. Hier stünden viele Flächen (z.B. Garagenwände) zur Verfügung.
  • Dachbegrünungen vornehmen. Bei Neubauten stets vorsehen.
  • Vernetzung der Grünflächen auch um bei Spaziergängen im Grünen bleiben zu können.
  • Zu dichte und zu hohe Bebauung ohne „Frischluftschneisen“ vermeiden.  
  • Fahrradwege schaffen, um den Verkehr zu reduzieren, dazu müssen notfalls auch Straßen verschmälert werden. Der ÖPNV muss erweitert werden.
     

Literatur:

  1. https://www.br.de/nachrichten/wissen/hitze-in-der-stadt-mit-mehr-weiss-gruen-und-blau-verringern,RXKYznH
  2. https://www.staedtebauliche-klimafibel.de/?p=55
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung

Autor

Rolf Trenkle (info_environ@web.de). Lehrkraft (im Kirchendienst) für Mathematik, Physik und Geografie im Ruhestand,1979/1980 Diplomarbeit über Stadtklimatologie im Fachbereich Meteorologie/Physik