Artenschutz und Landwirtschaft – Hand in Hand

Wasserbüffel schaffen als Landschaftspfleger UND „Bio-bagger“
LEBENSRÄUME FÜR EINE HOHE ARTENVIELFALT

In einem für ganz Bayern modellhaften Weideprojekt im Landkreis Mühldorf am Inn zeigt der BUND Naturschutz, wie eine Partnerschaft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zum Nutzen beider Seiten gestaltet werden kann. „Die Rettung der Artenvielfalt, tierschutzgerechte Fleischproduktion und Existenzsicherung für Bauern sind möglich, wenn Agrar- und Naturschutzpolitik die Weichen richtig stellen“ so BN-Landesvorsitzender Richard Mergner.

Das Beweidungsprojekt, das im Jettenbacher Talraum vom BN in Kooperation mit der Landwirtsfamilie Reißaus und dem Flächeneigentümer Graf zu Toerring-Jettenbach durchgeführt wird, zeigt seit über 20 Jahren, wie Rinder die Kulturlandschaft bereichern. Durch den ungleichmäßigen Fraß der Tiere entsteht ein vielfältiger Lebensraum. Die bunte Pflanzenwelt ist die Lebensgrundlage zahlreicher Tierarten. Seit 2011 kommen zusätzlich Wasserbüffel zum Einsatz.

Die Beweidung zur Pflege des Talraumes hat sich sehr bewährt. Sie bewirkt zum Beispiel, dass die Gewässer nicht völlig mit Röhricht zuwachsen. Dadurch bleiben offene, sonnige Wasserflächen als Lebensraum für Amphibien und Libellen erhalten. Allerdings werden die Tümpel für Gelbbauchunke & Co im Lauf der Jahre durch den Tritt der Rinder im weichen Boden immer kleiner. Wasserbüffel legen Suhlen an und wälzen sich im Sumpf. Sie können als „Bio-Bagger“ die Verflachung und Verlandung der Tümpel verhindern und sogar neue Kleingewässer schaffen“, erläutert  Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Mühldorf.

Die Halter der Weiderinder und Wasserbüffel, die Familie Reißaus, hat inzwischen ihren Betrieb auf naturschutzorientierte Beweidung  umgestellt und pflegt mit ihren Tieren viele weitere Flächen.

„Mit Weidegang während der Vegetationsperiode, tiergerechten Stallungen wie Tretmiststall, Kompostmiststall und Aussen-Liegeboxen mit großzügigen Laufhöfen für die Wintermonate gewährleisten wir in besonderem Maße unseren Anspruch an Tierwohl und tiergerechter Haltung“, erklärt Josefine Reißaus, Tierhalterin der Wasserbüffel.

Die extensive Weidewirtschaft auf den Projektflächen fördert und stützt Bestände von Gelbbauchunke und Laubfrosch sowie Ringelnatter und Zauneidechse und immer seltener werdender Insekten. In Jettenbach wird eine hohe Grasfroschpopulation erhalten.

„Die Beweidungsprojekte werden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern realisiert. Besonders hervorheben möchten wir die gute Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz. Dessen Kreisgruppe Mühldorf mit Dr. Andreas Zahn ist unser wichtigster Partner“, so Matthias  Reißaus, Tierhalter der Wasserbüffel.

Für das Naturschutzprojekt, das sich durch die Kooperation zwischen dem BUND Naturschutz Kreisgruppe Mühldorf und der Familie Reißaus hervorragend entwickelt hat, gab es 2018 den zweiten Platz beim Bayerischen Biodiversitätspreis.

„Dass Naturschutz für Landwirte auch ein Betriebszweig sein kann, sieht man an dem Betrieb der Familie Reißaus und vor allem auch, dass Naturschutz oft abhängig ist von der landwirtschaftlichen Nutzung“, so Annemarie Räder, Regionalreferentin des BN für Oberbayern.

Sehen Sie sich den Beitrag über den Besuch bei Mühldorf TV an:
http://mediathek.muehldorf-tv.de/files/fernsehen/fs2019/FSArch19/P1926/MT_ArchP26_1.html


Nachwuchs bei den Wasserbüffeln

Herzlich willkommen in Jettenbach - Kleiner Wasserbüffel

Die Wasserbüffelherde im Jettenbacher Biotop wächst und gedeiht. Seit vom BUND Naturschutz das Beweidungskonzept umgestellt wurde entwickelt sich die Fläche im Sinne des Artenschutzes optimal. Die zwei Wasserbüffeljungbullen und drei Wasserbüffelkühe haben einen tollen Lebensraum. Das zeigt sich auch bei der Vermehrung. Letzte Woche hat ein neuer Büffel das Licht der Welt erblickt und diese Woche ist es zu ersten Mal gelungen ein Foto zu machen. "In den ersten Tagen ist es gar nicht so leicht, ein Jungtier zu erspähen", so der BUND Kreisvorsitzende Gerd Ruchlinski. Das Muttertier passt gewissenhaft auf und "legt" den Nachwuchs im tiefen Gras geschützt ab. Schon nach wenigen Tagen ist der Nachwuchs voll in die Herde integriert und wird von allen Mitgliedern umsorgt.


Die Wasserbüffel sind da!

 Am 7. Mai gegen 16:00 Uhr war es so weit: im Biotop zu Jettenbach begann das Zeitalter der Wasserbüffel. Von ca. 30 Schaulustigen sehnsüchtig erwartet trafen unsere drei Wasserbüffel ein: Bulle Barny, Kuh Sissi und Färse Schlucki. Alle waren total begeistert von der Friedfertigkeit und "Coolness" der neuen Bewohner im Jettenbacher Biotop. Die Büffel gingen gleich auf Erkundung. Die Pinzgauer waren in ihrer Neugierde kaum zu bremsen. Alle vertragen sich prächtig. Regional Fernsehen Oberbayern hat schon berichtet ebenso das Bayerische Fernsehen. Der schönste Bericht dürfte der von Barnhouse sein.


Biologe entdeckt seltene Zwergmaus in Jettenbach

Im Jettenbacher Biotop wurden vom BUND Naturschutz Nester der seltenen Zwergmaus gefunden. Diese kleinste Nagetierart Europas baut kunstvolle Kugelnester im Schilf.

Der Nachweis des seltenen, nur rund 6 cm großen Mäuschens gelang im Zuge faunistischer Erfassungen auf der vom BUND Naturschutz betreuten Weidefläche. Im Zuge des Vergleichs der Fauna von Weideflächen und angrenzenden Brachen fand BUND Artenschutzexperte Dr. Andreas Zahn die Nester der Zwergmaus in einem hohen Schilfbestand.


Beweidung im Talraum Jettenbach

"BÜFFEL STATT BAGGER" IM JETTENBACHER TAL

Im Jettenbacher Talraum beschreiten wir neue Wege beim Artenschutz: Wasserbüffel werden als Amphibienschützer eingesetzt. Wie kam es dazu? Nach der Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung in den siebziger Jahren entwickelten sich im Talraum bei Jettenbach Hochstaudenfluren, Schilf- und Brennnesselbestände. Weiden und Birken wuchsen auf. Nachdem die Gemeinde ein Fortschreiten der Bewaldung des Tales ablehnte, wurde die Fläche vom Eigentümer, Hans Veit Graf zu Toerring-Jettenbach, für  Naturschutzzwecke zur Verfügung gestellt.

Mit dem Ziel, die Bewaldung zu verhindern und die Lebensraumvielfalt zu vergrößern, wurde von der BUND Kreisgruppe ein Pflegekonzept erstellt. Zwei Methoden standen zur Wahl: Beweidung oder Mahd. Da das bei einer naturschutzorientierten Mahd im Herbst anfallende Material praktisch unverwertbar gewesen wäre, entschied sich der BUND Naturschutz für die Beweidung.

Seit 1996 grasen im Talraum bei Jettenbach Rinder und betätigen sich als Landschaftspfleger. Seit 2011 kommen zusätzlich Wasserbüffel zum Einsatz. Sie helfen mit, die im Laufe der Jahre zunehmende Verlandung der zu Projektbeginn angelegten Tümpel aufzuhalten. Wasserbüffel legen große Suhlen an. Als „Bio-Bagger“ schaffen sie dadurch offene und besonnte Wasserflächen in der zuvor dichten Sumpfvegetation. Dadurch bleibt der Lebensraum für Gelbbauchunke, Laubfrosch, Libellen und viele weitere Tierarten erhalten. Durch die Rinder- und Büffelweide wird das Tal weiterhin auf traditionelle Weise landwirtschaftlich genutzt – im Einklang mit der Natur. Zugleich ist diese Art der Fleischerzeugung in höchstem Maß tierschutzgerecht.

Wasserbüffel sind traditionelle Haustiere in Südosteuropa. Sie kommen mit unserem Klima gut zurecht, nur im Winter brauchen Sie einen Stall. Büffel eignen sich besser als Rinder für sehr nasse Weiden und Sumpfgebiete. Halter der Büffel und Rinder sind die Biolandwirte Josefine und Matthias Reißaus vom Reisererhof in Oberneukirchen. 

Unsere Untersuchungen belegen die positiven Auswirkungen der Beweidung auf Flora & Fauna. So öffnet der Tritt der Weidetiere die dichte Vegetation. Junge Pflanzen können hier keimen, dank Licht und offenem Boden; die Zahl der Pflanzenarten hat daher stark zugenommen. Im Wald auf der Weide dürfen Bäume umstürzen und absterben. Ein Paradies für Totholz bewohnende Insekten und ein gedeckter Tisch für Spechte.

Wasserbüffel und Rinder in Jettenbach (Info pdf)


Bildergalerie Tiere in Jettenbach


Barnhouse (Krunchy) spendet 5.000 €

Jettenbach - Vor einiger Zeit kam Bettina Rolle von der Firma Barnhouse Naturprodukte in Mühldorf auf uns zu und fragte nach einem Projekt, das wir gemeinsam machen könnten. Tja, meinte Andreas Zahn, wir könnten zwei Wasserbüffel für Jettenbach brauchen! Aus dieser zunächst etwas vagen Idee wurde jetzt Realität: seit Samstag den 7. Mai 2011 weiden 3 Wasserbüffel zusammen mit Pinzgauer Rindern und einem Anglerrind im Jettenbacher Biotop. Dank Erdbeer-Krunchy von Barnhouse tragen die Wasserbüffel ihren Teil zum sehr erfolgreichen Natur- und Artenschutz bei.