Innkanal - Erweiterung und Effizienzsteigerung des Innkraftwerks Jettenbach/Töging

Grundsätzliche Bewertung des Vorhabens und Forderungen des BN

Hinsichtlich grundsätzlicher Erwägungen verweisen wir auf unsere Stellungnahme vom 12.05.2016.
Hervorzuheben ist unsere in diesem Schreiben erhobene Forderung an den Vorhabensträger, stärker
in die Verbesserung der Ausleitungsstrecke zu investieren. Beispiele hierfür wären eine aktive
Geschiebezugabe und verstärkte strukturelle Verbesserungen für die Entwicklung stabiler
Fischpopulationen in der Inn-Fließstrecke von Jettenbach bis Töging. Auch wenn dies nicht direkt
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, sind wir der Auffassung, dass hierzu jetzt
entsprechende verbindliche Regelungen gefordert werden müssen.
Auch nach der aktuellen Planung ist die Maßnahme nach Art und Umfang der wohl
schwerwiegendste Eingriff bezogen auf floristisch hochwertige Gebiete im Landkreis Mühldorf der
letzten 40 Jahre. Die UVS berücksichtigt auch in der aktuellen Version die bedeutende Funktion des
Innkanals als Vernetzungsachse, bei der es sich vermutlich um den größten, zusammenhängenden
Magerstandort im Landkreis Mühldorf handelt, nicht ausreichend. Durch die Abdichtung der
Damminnenseiten zur Erhöhung des Wasserspiegels geht nach der derzeitigen Planung ein
erheblicher Teil des Lebensraums (ca. 30.000 - 40.000 m²) verloren. Wie sich die Vegetation auf der
Abdichtung bzw. den Rasengittersteinen entwickelt ist ungewiss und die Vernetzungsfunktion wird
erheblich geschwächt.

Der Bund Naturschutz bedauert, dass im Rahmen der Anhörung am Landratsamt Mühldorf im Frühjahr 2018 lediglich die veralteten Antragsunterlagen diskutiert wurden. Die Zeit für die Durchsicht der aktuellen Unterlagen ist sehr knapp. Ein Fachgespräch zur Erläuterung der wichtigsten Planänderungen wäre derzeit angebracht.
Landschaftspflegerischer Begleitplan – 1. Tektur (Stand 16.04.2018)
Zu 5.1.2 Innkanal - Ertüchtigung der Dämme
Textauszug (S. 82): „Als alternative Baulösung ist statt Dichtungsbahn und Rasengittersteinen eine Dichtung in Beton mit rauer Oberfläche möglich“
Diese Maßnahme lehnt der BN ab, da die Betonfläche auf Dauer sichtbar sein wird und nicht als Standort für die sowieso schon erheblich verkleinerten mageren Vegetationsbestände an den Böschungen in Frage kommt. Wo diese Versiegelung erfolgt, muss ein Flächenausgleich 1:1 mit Magerrasen erfolgen.
Zu 5.5.2.1 Hydromorphologie - Abschnittsweise Verrohrung Sickergraben Damm Fraham zwischen Inn-km 130+200 und 130+170
Der BN lehnt eine dauerhafte Verrohrung des Sickergrabens ab, da er völlig andere Bedingungen als der Inn aufweist und daher z.B. für bestimmte Wasserinsekten von lokaler Bedeutung sein kann. Auch floristisch sind manche Grabenabschnitte bedeutsam. Ist eine Verrohrung nicht zu vermeiden, sollte eine floristische & zoologische Erfassung und Bewertung erfolgen, aus der sich ggf. ein Maßnahmenkonzept ableiten lässt.
Zu 5.5.2.2 Ausleitungsstrecke - Verlust von ca. 50 m Fließstrecke und Dauerhafte Wirkungen-Abflussveränderungen
Durch entsprechende zusätzliche Optimierungen für die Fischfauna sowie für Wasservögel sollte im Bereich der Ausleitungsstrecke eine Kompensation erfolgen.
Zu 5.12.1.2 Schutz- und Vermeidungsmaßnahmen für Lebensräume, Pflanzen und Tiere
Gestaltung des Innkanals mit Ausstieghilfen für Tiere, bei Verwendung einer Beton-dichtung zusätzlich Gestaltung einer rauen Oberfläche.
Der BN begrüßt diese Maßnahme sehr und bittet um eine Konkretisierung (Bauweise, Umfang etc.).
„Minimierung von Auswirkungen auf die Vegetation der Magerrasen und Magerwiesen und die Verbundfunktion des Innkanals“ und Kartierung erhaltenswerter Pflanzenarten:
Der BN begrüßt die ergänzten Maßnahmen (Landschaftspflegerischer Begleitplan 1. Tektur, S. 137). Wir bitten jedoch um eine Definition der Erhaltungsziele der einzelnen Arten (vgl. Liste in

„Kartierung erhaltenswerter Pflanzenarten“) hinsichtlich der angestrebten Zahl der Standorte und der Mächtigkeit der Bestände (ggf. auch auf Ersatzflächen) nach dem Eingriff.
Die Maßnahmen hinsichtlich des Erhalts der betreffenden Arten müssen nach unserer Ansicht erfolgen, bis die definierten Ziele erreicht worden sind.
Wir bitten darum, ergänzende Erfassungen vorzunehmen. So wurden bisher vermutlich übersehen:
- Standorte von zwei Laucharten beim „Innkanalüberlauf“ östlich Pürten (evtl. gibt es auch weiter westlich bis Pürten noch Standorte)
- Mehrere Standorte von Orobanche spec. am Damm zwischen Erasmus und Pürten sowie zwischen Pürten und „Innkanalüberlauf“
5.12.4 CEF-Maßnahmen/ Vorgezogene Artenschutzmaßnahmen
C4 Maßnahmenkonzept für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Umgriff des Dammes Fraham
Die Erfahrungen bis 2017 zeigen, dass sich die angepflanzten Wiesenknöpfe sehr unzureichend entwickeln. Das Maßnahmenkonzept birgt ein hohes Risiko hinsichtlich des Erlöschens der lokalen Population.
Wir sind der Ansicht, dass der Damm bei Fraham abschnittsweise erstellt werden muss, so dass die Soden mit den Wiesenknöpfen unmittelbar entnommen und auf den neu errichteten Dammabschnitt verpflanzt werden können (keine Zwischenlagerung der Soden). Uns wurde bei Vorgesprächen von Vertretern des Vorhabenträgers mitgeteilt, dass dies möglich aber aufwendiger sei.
Weiterhin sollte der Erfolg der Maßnahmen das entscheidende Kriterium der Auflagen sein (nicht nur die Durchführung bestimmter Maßnahmen): Es müssen Maßnahmen so lange erfolgen, bis die Population des Ameisenbläulings in einer für einen langfristigen Erhalt erforderlichen Größe wieder im Eingriffsbereich bei Fraham etabliert wurde.
Eine Stärkung der Population bei Pürten kann ggf. den Verlust der lokalen Population bei Fraham nicht ausgleichen, schon weil es sich durchaus um eine genetisch unterschiedliche Lokalpopulation handeln kann. Ihr Verlust wäre dann mit dem Verlust lokaler Genvarianten verbunden. Im Endergebnis wäre dies eine weitere Verschlechterung des jetzigen ungünstigen Erhaltungszustands der Populationen und der Verlust von Genvarianten würde zu einer Behinderung der Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands führen. Das wäre übrigens schon der Fall, wenn es durch eine noch weitere Verkleinerung des Bestandes bei Fraham während des Eingriffs zu einem „genetischen Flaschenhals“ kommen würde.

Zu den Maßnahmen für die Zauneidechse:
Diese sind im Bereich Fraham noch unzureichend. Nach neuen Erkenntnissen müssen insbesondere Strukturen aus Ästen in erheblichem Umfang entlang des Damms errichtet werden.
Auch die Maßnahmen am Wehr Jettenbach sind derzeit noch unzureichend (falsche Flächenauswahl, falsche Materialien, Lage im Schatten einer Waldfläche, deren Rodung nicht vorgesehen ist – die erfolgte Auflichtung genügt übrigens nicht). Auch sollten weitere Maßnahmen für diese Art am Kanal zwischen Jettenbach und Pürten vorgesehen werden.
Die Nutzung der angelegten Strukturen durch Zauneidechsen ist zu überprüfen. Erfolgt keine Nutzung, die eine Förderung der lokalen Population belegt, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Weiterhin verweisen wir auf unsere Stellungnahme vom 12.05.2016.
Zur Problematik Heidegrashüpfer:
Die Maßnahmen zum Erhalt des Heidegrashüpfers (Stenobothrus lineatus) sollten dargestellt werden. Es sind Ziele im Hinblick auf die anzustrebende besiedelte Fläche zu definieren und die Erfolgskontrollen zu beschreiben.
Zu 5.13.2 Ermittlung des Kompensationsbedarfs
Wir können hierbei in der Tektur keine Änderungen feststellen. Auf folgende Punkte unserer Stellungnahme 2016 wurde nur teilweise eingegangen, so dass sie weiterhin gültig sind.
Zur Thematik des Dammkronenweges:
Der Vorhabenträger ist der Ansicht: „Hinsichtlich des Eingriffsumfanges am Innkanal lässt sich festhalten, dass die Vegetation des Dammkronenweges gemäß BayKompV nicht als eigener BNT-Typ abgrenzbar ist.“
Aufgrund der hochwertigen Vegetation des Dammkronenwegs am Innkanal und am Damm bei Fraham müsste die erhebliche Beeinträchtigung dieses sehr speziellen Lebensraumes nach Ansicht des BN dennoch bei der Ermittlung des Ausgleichsbedarfs berücksichtigt und ein Ausgleich 1:1 angesetzt werden (vgl. unsere Stellungnahme 2016).
Zur Thematik Reststreifen zwischen Dammkrone und Abdichtungsbereich:
Der Reststreifen zwischen Dammkrone und Abdichtungsbereich wird durch die Maßnahmen zur Abdichtung (Bauarbeiten) sehr wahrscheinlich stark beeinträchtigt oder zerstört, auch wenn er nach den Ausführungen in der ersten Tektur verstärkt geschützt werden soll (Better, Folie). Der BN bezweifelt, dass sich dies in der Praxis umsetzen lässt. Insofern nicht geschehen, ist dieser Streifen nach unserer Auffassung in die Verlustbilanz einzubeziehen und 1:1 auszugleichen.
Zu 6.4.1 Ausgleichsmaßnahmen für das Schutzgut Pflanzen und Tiere
Wiederherstellung von Magerrasen auf den Dämmen Innkanal (A4/C2):
Die Ausgleichsmaßnahmen werden überwiegend durch Wiederherstellung von Magerrasen gemäß dem Fachkonzept „Blühendes Inntal“ auf den Außenböschungen des Innkanals durchgeführt.

Der BN lehnt den Umfang der Maßnahme im Bereich östlich Pürten ab, da unterhalb des Innkanals das neue Tierheim Waldkraiburgs errichtet werden soll. Die Heckenstrukturen auf dem vorgesehenen Gelände entfallen dadurch als Brutplatz für Arten wie Neuntöter und Goldammer, da von laufenden Störungen und Verlusten durch Baumaßnahmen auszugehen ist. Würde auch die Heckenstruktur am Kanaldamm entsprechenden der Planung reduziert, ist ein völliger Verlust der Brutmöglichkeiten wahrscheinlich. Da auch der Kanal durch Erholungssuchende kein störungsfreier Lebensraum ist, müssen die Gehölzstrukturen einen gewissen Umfang aufweisen, damit sie weiterhin zur Brut genutzt werden. Der Umfang der Maßnahme bei Pürten sollte stärker reduziert und der Umfang im Einschnittsbereich des Innkanals ausgeweitet werden.
Grundsätzlich ist bei der Maßnahme (A4/C2) zu bedenken, dass die Vegetation von der Innen- auf die Außenseite der Böschung „verlegt“ werden soll, die Exposition ist also völlig anders. Auch hier sind deshalb definierte Ziele hinsichtlich der anzusiedelnden Arten (unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Kartierung seltener Pflanzenarten) erforderlich. Maßnahmen sind durchzuführen, bis die Ziele erreicht sind.
Entwicklung von artenreichem Extensivgrünland / Trockenrasen auf bisherigen Wiesen- und Ackerstandorten (z.B. A6, A13-A16):
Der BN bezweifelt nach wie vor, dass die Flächen für die geplanten Maßnahmen ausreichend gut geeignet sind. Insbesondere ist der feuchte und schattige Standort für die Maßnahme A14 aus unserer Sicht ungeeignet und sollte ersetzt werden. Andere Flächen grenzen (soweit nach dem Luftbild beurteilbar) an intensiv genutztes Ackerland, so dass von einer dauerhaften Beeinträchtigung durch Agrochemikalien auszugehen ist.
Wir halten es für angemessen, dass für alle neu zu schaffenden Magerstandorte bzw. Extensivgrünlandflächen Ziele hinsichtlich der anzusiedelnden Arten (unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Kartierung seltener Pflanzenarten) und deren Mindestpopupulationsdichte definiert werden. Insofern die neu etablierten Vorkommen keinen unmittelbaren Kontakt zu Nachbarbeständen haben, ist bei der Flächengröße und der Zielbestandsgröße darauf zu achten, dass eine langfristig überlebensfähige Population (MVP) etabliert werden kann. Zu kleine, isolierte Flächen sind dann ggf. durch zusammenhängende, größere Flächen zu ersetzen.
Maßnahmen sind umzusetzen, bis die definierten Ziele erreicht werden.
Bei allen Flächen an Straßen ist zu berücksichtigen, dass das Ziel „Schaffung von Lebensraum für Insektenarten des Offenlandes“ aufgrund verkehrsbedingter Einflüsse (u.a. Individuenverluste) nur in Teilbereichen verwirklicht werden kann. Dem ist durch eine Ausweitung der Flächen abseits von Straßen Rechnung zu tragen. So kann der Umfang der Maßnahme A21 vergrößert werden.
A8 Entwicklung Weichholzauenkomplex und Feuchtkomplex auf Ackerfläche im Großen Heuwinkel
Folgende Maßnahme ist begrüßenswert. Es sollte aber dargelegt werden, wie sich der halboffene Zustand durch geeignete Pflege langfristig erhalten lässt:
„Herstellung eines stark reliefierten Geländebereiches durch Bodenabtrag und Geländemodellierung mit Schaffung von Senken, Mulden und Tümpeln in unterschiedlichen Flächengrößen in voller Besonnung für die Gelbbauchunke. Entwicklung von Gebüschen durch Sukzession unter Beibehaltung von offenen kiesig-sandigen Bodenpartien. Die Flächenverteilung und genaue Lage der einzelnen Bereiche wird nach Maßgabe der ÖBL vorgenommen“.
Der BN schlägt die Einrichtung einer Extensivweide, vorzugsweise mit Rindern oder Pferden, vor.

Zu den Maßnahmen für die Gelbbauchunke:
Textauszug: „Zusätzlich werden im Bereich Heuwinkel in der Nähe bekannter Fundorte der Art auf einer Ausgleichsfläche (A8; vgl. Kap. 6.4 in LBP, ITO-A001-LAPP1-B10001-00) Flachgewässer angelegt, die als Laich- und Entwicklungsgewässer für die Gelbbauchunke geeignet sind.“
Wir bitten um Darstellung des Pflegekonzeptes, da Unken ja jedes Jahr neue, feindarme Gewässer benötigen (Optionen: Jährliche Neuverdichtung/Auswalzen, jährliche Neuanlage, Beweidung mit geeigneten Tierarten). Ein Monitoring ist vorzusehen.
Zu den Arten Springfrosch und Kammmolch:
Textauszug: „Eingriffe in derartige Gewässerstandorte sind nicht vorgesehen. Auch durch die geplante Stauzielerhöhung erfolgen keine so gravierenden Änderungen in den vorhandenen Auengewässern, als dass sie nicht mehr als Laichplatz geeignet wären (s. o. Kammmolch).“
Wir bitten um Angabe der derzeitigen Anzahl fischfreier Laichgewässer sowie um die Angaben der entsprechenden Zahlen nach dem Eingriff.
Zur Zielart Kammmolch:
Textauszug (S. 166): „Herstellung Auengewässer mit Flachufer 1:10 und Steilufern, Mindesttiefe an der tiefsten Stelle 2,0 m (Zielart Kammmolch), Mindestgröße 500 qm, Anlage von Kleinstrukturen am Ufer wie Steinhaufen und Wurzelstöcke“
Entscheidend für den Kammmolch ist, dass die Kernlaichgewässer auf Dauer fischfrei bleiben. Da in größere Gewässer unweigerlich Fische eingesetzt werden, müssen die neuangelegten Gewässer entweder flach sein (50cm) und dann regelmäßig entlandet werden (auf Weideflächen ist auch eine Pflege durch Beweidung möglich). Oder sie müssen ablassbar sein, so dass Fische entfernt werden können. Ideal ist ein Verbund mehrerer ablassbarer Teiche von denen jedes Jahre einer abgelassen wird. Abfischen (auch Elektrofischerei) ist in aller Regel unwirksam. Es sollte dargestellt werden, wie die für den Kammmolch vorgesehenen Gewässer auf Dauer fischfrei bleiben. Bei Bedarf berät der BN hierzu gerne.
Zur Thematik Molluskenfauna:
Die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen zum Erhalt der seltenen Arten ist zu überprüfen. Es sollten Ziele hinsichtlich der besiedelten Fläche und der Populationsdichte definiert und mit den Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Maßnahmen sind durchzuführen, bis die Ziele erreicht sind (Monitoring durch Experten).
A21 Entwicklung von artenreichem, magerem Extensivgrünland sowie eines artenreichen
Krautsaumes durch Optimierung der Ausgangsflächen und Rodung bestehender Gehölze
Hier ist nur im Norden des Maßnahmenbereichs die dauerhafte Pflege der gesamten Hangböschung vorgesehen. Dies sollte auch in der Südhälfte erfolgen. Die Erfolgsaussichten hinsichtlich der

Entwicklung artenreicher Vegetationsbestände sind hier erheblich besser als z.B. auf der für die Maßnahme A14 vorgesehenen Fläche.
Soweit erkennbar, ist A21 nur südlich des derzeit im Rahmen des Projektes „Blühendes Inntal“ gepflegten Hangabschnitts vorgesehen. Es sollte geprüft werden, ob auch nördlich davon (Richtung Mühldorf) eine Ausweitung der Maßnahme A21 möglich wäre (vgl. hierzu unser Ausführungen in der Stellungnahme 2016).
Zum Umfang der Ausgleichsmaßnahmen:
Da sich die Bedeutung des Kanals wie in unserer Stellungnahme 2016 dargestellt, wesentlich auf die Vernetzungsfunktion und den großen zusammenhängenden Trockenlebensraum bezieht, ist nach unserer Auffassung eine reine Bilanzierung der Wertpunkte im Sinne der Kompensationsverordnung nicht sinnvoll. Vielmehr muss tatsächlich die Größe und Qualität des Lebensraumes erhalten werden. Das Erzielen hoher Wertsteigerungen durch die Umwandlung z.B. von Acker in Extensivwiesen oder die Aufwertung kleiner Intensivgrünlandbereiche wird dieser Problematik nicht gerecht. Es sollte versucht werden, weitere, aufgrund ihrer Exposition und derzeitigen Vegetationsausstattung günstigere Flächen im Umfeld des Kanals zu finden und in das Konzept einzubeziehen. Ggf. ist auch eine Ausweitung der Suchkulisse sinnvoll, um größere, zusammenhängende Flächen zu erhalten. Wurde z.B. die in folgendem Luftbild markierte Hangkante geprüft?
Zu 6.4.3 Gestaltungsmaßnahmen
Textauszug Landschaftspflegerischer Begleitplan 1. Tektur: „Für den Fall, dass zusätzlicher Oberboden für die notwendige Andeckung von wieder zu begrünenden Anpassungstreifen geliefert werden muss, ist sicherzustellen, dass der Oberboden nicht von Wiesen mit dem Unkraut Stumpfblättriger Ampfer oder von Äckern stammt. Es ist magerer humoser Oberboden anzuliefern.“

Es sollte in solchen Fällen kein Oberboden sondern z.B. Rotlage verwendet werden (nährstoffarmes Substrat ohne Samenbank; obere Bodenschichten nicht verwenden).
Zu 6.4.5 Monitoringmaßnahmen
Für die wertgebenden seltenen Pflanzenarten sind Ziele hinsichtlich der zu erhaltenden und neu zu etablierenden Bestände zu definieren. Aufgrund der starken Bestandsschwankungen vieler Arten in neu etablierten Populationen ist ein auf 5 Jahre beschränktes Monitoring nicht ausreichend. Ab dem Jahr 5 sollte bis zum Jahr 15 ein Monitoring der Vegetation und insbesondere der Zielarten alle drei Jahre erfolgen.
Weitere Anmerkungen zum landschaftspflegerischen Begleitplan 1. Tektur
Folgender Punkt ist nach unserer Ansicht nicht richtig (siehe auch oben), S. 126:
„Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling … wurde am Inndamm und am Damm Fraham nachgewiesen. Allerdings werden ungünstige Auswirkungen auf die Population des Tieres durch umfangreiche, artenschutzrechtlich begründete Maßnahmen (u.a. Soden Verpflanzung Wiesenknopf reicher Wiesen, s.o.) und eine artenschutzrechtliche FCS-Maßnahme bei Pürten vermieden“
Der Eingriff bei Fraham kann durch eine Änderung der Bauweise (siehe oben) erheblich verträglicher gestaltet werden, das Risiko einer erheblichen Schädigung der Population muss nicht eingegangen werden.
Beim Punkt 5.3.2.2 Flora vermissen wir die Einarbeitung der Kartierung erhaltenswerter Pflanzenarten. Nötig sind definierte Erhaltungsziele und konkrete auf Einzelarten bezogene Schutzkonzepte.
Zur Nutzung der Betriebswege am Innkanal
Bei einer erhöhten Aufstauung und somit einer Erhöhung des Kanalspiegels um „plus 0,70 m“ befürchtet der BUND Naturschutz eine erhebliche Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes.
Die Betriebswege entlang des Innkanals werden von zahlreichen Spaziergängern und Sportlern genutzt. Diese Wegenutzung soll auch nach der Ertüchtigung des Kanals möglich sein.
Die Unterquerung der Eisenbahnstrecke Mühldorf – Simbach (Kanalkilometer ~16,4) ist momentan durch befestigte und gesicherte Treppen sowie einem Betonsteg möglich. Bei einer erhöhten Aufstauung würde dieser Betonsteg unter Wasser stehen und nicht mehr nutzbar sein, was eine Unterbrechung des Spazierwegs zur Folge hätte.
Durch geeignete Maßnahmen – z.B. Aufschütten des Pfades, Einbau eines Gitterroststeges unter der Brücke mit Absturzsicherungen – ist die Unterquerung dieser Eisenbahnbrücke sicherzustellen.