Stellungnahme zur Bauleitplanung "Binderwiese" der Gemeinde Lohkirchen

Bebauungsplan Nr. 21 - Binderwiese

Stellungnahme der Kreisgruppe Mühldorf vom 30. September 2020
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BN bedankt sich für die Beteiligung an der oben aufgeführten Bauleitplanung.

Wir bitten Sie, bei der Planung folgende Punkte zu berücksichtigen:

- Grundwasserschutz:
Vor dem Hintergrund der ständig sinkenden Grundwasserstände im Landkreis Mühldorf sollte das über den Regenwasserkanal abgeleitete Regenwasser vor Ort in einem entsprechend großen Becken versickert werden. Jede Möglichkeit zur Grundwasserneubildung ist zu nutzten, um Wassermangel infolge der Klimaänderung vorzubeugen. Parkplätze / Stellplätze sind mit wasserdurchlässigen Belägen auszuführen.

- Insektenschutz:
Bei den Außen-, Parkplatz-, und Straßenbeleuchtungen sollen ausschließlich insektenunschädliche Leuchtmittel (Natriumdampf-Lampen oder LED „Warmweiß“ mit max. 2.700 K) verwendet werden.  Es ist darauf zu achten, dass die Abstrahlung nach oben verhindert und das Licht gezielt auf die zu beleuch-tenden Flächen gelenkt wird. Die Außen-, Parkplatz- und Werbebeleuchtung ist außerhalb der Öffnungs-zeiten oder spätestens ab 23:00 bis 06:00 Uhr abzuschalten (Lichtverschmutzung eindämmen).
Zu Werbeanlagen: Blinklichter und selbstleuchtende Werbeanlagen sind unzulässig. Es ist nur eine Werbeanlage vorzusehen und diese kann mit Strahler (Licht Warmweiß, 2.700 K) beleuchtet werden.“

- Sonstige Maßnahmen zum Artenschutz:
Die Zäune sind ohne Sockel auszuführen und ein Durchlass von 15 cm (Abstand Boden – Zaun) ist vorzusehen. Fensterschächte und Aufgänge sind so auszuführen, dass keine Tierfallen entstehen (schräger, rauer Beton, Gestein wie Nagelfluh). Ggf. Kellerschächte mit insektensicheren Gittern abdecken. Gullyschächte sind mit Tierausstiegshilfen zu versehen.
Zum Erhalt der Artenvielfalt sind Nistplätze / Nistkästen für Gebäudebrüter vorzusehen und zu unterhalten:
: Für Wohngebäude sind je Wohnung 0,6 Quartiere vorzusehen. Das Ergebnis ist aufzurunden.
Die Anbringung von Nistkästen ist mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen. Ist eine Anbringung der Nesthilfen am Gebäude nicht möglich, sind alternative Standorte mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen. Vogelkästen sind jährlich zu reinigen (Anbringung in Reichweite),
Fledermauskästen nach Bedarf (selbstreinigende Modelle verfügbar).

- Grünflächen, Straßenbegleitgrün:
Es wird angeregt, die Grünflächen zwischen den Straßenbäumen mit kräuterreichen, autochthonen Saatgutmischung anzulegen und extensiv zu pflegen. 20 – 30 % des Staudenbewuchses soll den Winter über belassen werden.

- Nachhaltigkeit:
Nach heutigen Vorgaben der Nachhaltigkeit, der CO2-Problematik, der umweltfreundlichen Strom-erzeugung, usw. ist es sinnvoll, auf Dachflächen Photovoltaikanlagen und Warmwasserkollektoren vorzugeben.
Bitte nehmen Sie diesen Punkt in den Festsetzungen auf: Dächer sind auf der Ost-, Süd- und Westseite mit einer Fotovoltaikanlage und einer angemessenen Anzahl Warmwasserkollektoren zu versehen. Vorschlag: Die Größe der Fotovoltaikanlage sollte je Wohneinheit mindestens ca. 4 bis 6 kWp betragen (nach Größe der Wohnung). Die Ausrichtung mindestens eines Gebäudes auf jedem Grundstück (Haus- oder Garagendach) sollte so sein, dass eine optimale Nutzung der Sonnenenergie möglich ist.

- Niederschlagswasser:
Das unverschmutzte Niederschlagswasser im Bereich des Bebauungsplanes (auch Dachflächenwasser und Straßenentwässerung) ist vor Ort zu versickern und dem Grundwasser zuzuführen (vgl. Punkt – Grundwasserschutz). Park-/Stellplätze sind mit wasserdurchlässigen Belägen auszuführen.

- Stellplätze: Bei der Eingrünung der Stellplätze sollte in jedem entsprechend der Planung erforderlichen Bepflanzungsstreifen ein heimischer Laubbaum (Hochstamm) oder ein Obstbaum gepflanzt  und dauerhaft erhalten werden.

Eine erweiterte Pflanzliste zum Punkt D 6.5 ist dieser Stellungnahme angehängt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Zahn


Stellungnahme zum Baugebiet Schellenberg

Vollzug der Baugesetze: Bebauungsplan „Schellenberg“, Beteiligung nach § 3 Abs. 2 und § 4 Abs. 2 BauGB

Stellungnahme der OG Haag und der Kreisgruppe Mühldorf vom 02. Juli 2020


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die Beteiligung an obigem Verfahren undnehmen gemäß § 63 Bundes Naturschutzgesetz im Namen des Landesverbandes wie folgt Stellung:

Uns ist bewusst, dass die Gemeinde Maitenbeth durch die Nähe zu München einem erheblichem Siedlungsdruck ausgesetzt ist. Der BN lehnt dennoch die vorgesehene Bebauung am Schellenberg ab. Wir bitten darum, ökologisch verträgliche Alternativen am nördlichen Ortsrand in Richtung B12 in Betracht zu ziehen. Auch ist zu überlegen, ob durch entsprechende Satzungsänderungen eine Nachverdichtung im Bestandsbau erleichtert werden kann insbesondere für die einheimische Bevölkerung.

Unsere Ablehnung begründet sich wie folgt:

Das Baugebiet befindet sich im Endmoränenhügel der Würmeiszeit und ist landschaftlich sehr reizvoll wie auch in Punkt 2 der Begründung zur Bebauungsplanänderung beschrieben. Bei Inaugenscheinnahme kann hier in keinesfalls von der Schließung einer Baulücke gesprochen werden.

Zudem ist auch die Überbauung einer Magerwiese geplant, die einen wertvollen Lebensraum für die heimische Pflanzen- und Tierwelt darstellt. Wir wissen, dass ein Ausgleich für die Vernichtung dieses Biotops geplant und rechtlich abgesichert ist. Doch fragen wir uns, ob in diesem Fall, alles was gesetzlich möglich ist, auch gemacht werden sollte.

Vor dem Hintergrund, dass sich viele Gemeinden bemühen, neue Blühflächen anzulegen, ist die Vernichtung einer bereits bestehenden Wiese mit ihrem seit Jahrzehnten gewachsenen Artenbestand völlig unverständlich. Selbst wenn die Verpflanzung der Soden technisch machbar ist, werden dabei viele Arten verloren gehen. Es geht ja nicht „nur“ um Kräuter und Wildblumen sondern auch um die Artenvielfalt der Tierwelt: Wildbienen, Heuschrecken, Schmetterlinge und viele andere Arten, die man nicht einfach verpflanzen kann. Zudem ist die Fläche, auf die die Soden verpflanzt werden sollen, schon jetzt ebenfalls für die Natur von Bedeutung. Ein schon wertvoller Lebensraum würde durch einen anderen Lebensraum ersetzt.

In einer Zeit, in der dem Artenschutz gerade auch beim staatlichen Handeln eine immer größere Bedeutung zukommt, können wir nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet diese Wiese bebaut werden soll. Der Bund Naturschutz bittet die Gemeinde darum, diese schwerwiegende Entscheidung nochmals zu überdenken und den Beschluss zurück zu ziehen und einen neuen zu fassen.

Mit freundlichen Grüßen

Rosa-Maria Pointner                                             Dr. Andreas Zahn
Ortsgruppe Haag Bund Naturschutz                    amtierender Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf