Anfragen zu weiteren Stellungnahmen können an die Geschäftsstelle gerichtet werden


Stellungnahme der Kreisgruppe Mühldorf zu BP Nr. 138 für einen Teilbereich zwischen der Siemens-, Eichendorffstraße und dem Mendelweg

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BUND Naturschutz nimmt zum Bebauungsplan Stellung und schlägt folgende Ergänzungen vor:

Im östlich angrenzenden Siemenspark gibt es einen sehr großen Amphibienbestand, der das Baugebiet trotz der Straße als Landlebensraum nutzen wird. Daher sind Fensterschächte und Aufgänge so auszuführen, dass keine Tierfallen entstehen (schräger, rauer Beton, Gestein wie Nagelfluh). Ggf. Kellerschächte mit insektensicheren Gittern abdecken. Gullyschächte sind mit Tierausstiegshilfen zu versehen.

- Insektenschutz:
Bei den Außen-, Parkplatz-, und Straßenbeleuchtungen sollen ausschließlich insektenunschädliche Leuchtmittel (Natriumdampf-Lampen oder LED „Warmweiß“ mit max. 2.700 K) verwendet werden.  Es ist darauf zu achten, dass die Abstrahlung nach oben verhindert und das Licht gezielt auf die zu beleuchtenden Flächen gelenkt wird. Die Außen-, Parkplatz- und Werbebeleuchtung ist außerhalb der Öffnungs-zeiten oder spätestens ab 23:00 bis 06:00 Uhr abzuschalten (Lichtverschmutzung eindämmen).
Zu Werbeanlagen: Blinklichter und selbstleuchtende Werbeanlagen sind unzulässig. Es ist nur eine Werbeanlage vorzusehen und diese kann mit Strahler (Licht Warmweiß, 2.700 K) beleuchtet werden.“

Zum Erhalt der Artenvielfalt sind Nistplätze / Nistkästen für Gebäudebrüter vorzusehen und zu unterhalten: Für Wohngebäude sind je Wohnung 0,6 Quartiere vorzusehen. Das Ergebnis ist aufzurunden.
Die Anbringung von Nistkästen ist mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen. Ist eine Anbringung der Nesthilfen am Gebäude nicht möglich, sind alternative Standorte mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen. Vogelkästen sind jährlich zu reinigen (Anbringung in Reichweite),
Fledermauskästen nach Bedarf (selbstreinigende Modelle verfügbar).

- Grünflächen, Straßenbegleitgrün:
Es wird angeregt, die Grünflächen zwischen den Straßenbäumen mit kräuterreichen, autochthonen Saatgutmischung anzulegen und extensiv zu pflegen. 20 – 30 % des Staudenbewuchses soll den Winter über belassen werden. Schottergärten sollten nicht zugelassen werden.

- Nachhaltigkeit:
Nach heutigen Vorgaben der Nachhaltigkeit, der CO2-Problematik, der umweltfreundlichen Strom-erzeugung, usw. ist es sinnvoll, auf Dachflächen Photovoltaikanlagen und Warmwasserkollektoren vorzugeben.
Bitte nehmen Sie diesen Punkt in den Festsetzungen auf: Dächer sind auf der Ost-, Süd- und Westseite mit einer Fotovoltaikanlage und einer angemessenen Anzahl Warmwasserkollektoren zu versehen. Vorschlag: Die Größe der Fotovoltaikanlage sollte je Wohneinheit mindestens ca. 4 bis 6 kWp betragen (nach Größe der Wohnung). Die Ausrichtung mindestens eines Gebäudes auf jedem Grundstück (Haus- oder Garagendach) sollte so sein, dass eine optimale Nutzung der Sonnenenergie möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Zahn
Dr. Andreas Zahn
2. Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf des BUND Naturschutz

H. Löns Str.4
84478 Waldkraiburg
Tel.: 08638 86117
Andreas.Zahn@iiv.de

https://muehldorf.bund-naturschutz.de


Stellungnahme zum Bebauungsplan Nr. 82 "Waldkraiburg West"

Stellungnahme des Landesverbandes Bayern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
Landesfachgeschäftsstelle München vom 30. September 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) bedankt sich für die Beteiligung am oben genannten Verfahren. In Abstimmung mit unserer Kreisgruppe Mühldorf nehmen wir dazu wie folgt Stellung:

Wir begrüßen, dass der Ausgleich der Waldfläche in den Innauen bei Kraiburg erfolgt, so dass zumindest ansatzweise ein räumlicher Zusammenhang mit den Waldflächen Waldkraiburgs gewahrt bleibt.

Grundsätzlich sehen wir das Problem, dass die Planung nicht die „natürlichen“ Grenze, also den vorhandenen Waldrand aufgreift sondern dass sich die Bebauung weiter nach Norden auf die Ackerflächen ausdehnen soll. Dies lehnen wir aus ortplanerischer Sicht ab. Die Gemeinde Aschau plant unmittelbar daneben ein Gewerbegebiet, so dass eine Trennung zwischen den Siedlungsbereichen der Stadt Waldkraiburg und der Gemeinde Aschau praktisch nicht mehr zu erkennen wäre. Es würde ein ungewollter „Siedlungsbrei“, entstehen. Dies zu verhindern, muss das Ziel einer landschaftsangepassten Siedlungsplanung sein.

Einige weitere Problempunkte bleiben zu klären:

Bei der Auflistung der Waldflächen wird das Thema „Niederwaldnutzung“ nicht thematisiert, Wesentliche Teile des Baugebietes werden seit Jahren regelmäßig auf Stock gesetzt. Dies entspricht einer typischen Niederwaldnutzung. Im Umweltbericht wird dies lediglich als Vorwald bezeichnet und in seiner Bedeutung verkannt. Niederwälder sind überaus artenreich (z.B. www.stiftung-naturschutz-thueringen.de/stiftung/stiftung-aktuell/einzelansicht/artenvielfalt-niederwald-pflegemassnahmen-fuer-die-kreuzotter.html), doch betrifft dies zu einem großen Teil Arten, die nicht im Rahmen einer saP untersucht werden. Lediglich der Nachweis der Dorngrasmücke im Planungsgebiet deutet auf die Bedeutung dieses Waldtyps hin. Die Wertigkeit des vorhandenen Niederwaldes und seine Bedeutung für Insekten (Käfer, Wildbienen, Tagfalter etc. ) müsste im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung dargestellt werden. Die geplante Aufforstung als Ersatz für die Waldfläche stellt keinesfalls einen Ersatz für den Niederwald dar, da ja letztlich ein Hochwald entstehen wird, der zudem auf einem völlig anderen Standort stockt. Wie die ökologische Funktion des Niederwaldes zu ersetzen ist, sollte von den Planern dargestellt werden.

Im Zuge der Vogelbegehungen im Rahmen der SAP wurde „nebenbei“ auf Reptilien geachtet, wobei kein Nachweis gelang. Es ist aufgrund des unzugänglichen Geländes im Bereich des Mittelwaldes (Vorwald) jedoch zu befürchten, dass Reptilien übersehen worden sind. Im Niederwald gibt es überall Altholz- und Asthaufen inmitten dichter Brombeerbestände, die nicht systematisch abgesucht werden können und die typische Eidechsenhabitate darstellen. Da Nachweise von Zauneidechsen aus der näheren Umgebung (ca. 900m Entfernung) vorliegen, ist anzunehmen, dass sich die Art in diesem optimalen Habitat bereits angesiedelt hat. Es sollten daher Ersatzlebensräume angelegt werden. Der neu geplante Waldrand am Nordrand des Baugebietes eignet sich aufgrund seiner Exposition hierfür nicht. Denkbar wären „Eidechsenhaufen“ am neu entstehenden Waldrand der geplanten Aufforstung bei Kraiburg.

Hinsichtlich der nachgewiesenen Vogelarten ist festzuhalten, dass kein Ausgleich für die Arten Dorngrasmücke und Feldlerche vorgesehen ist. Dorngrasmücken finden in Gärten kaum geeignete Lebensräume. Für diese Art ist die Anlage kleiner, niedriger Gehölzinseln auf extensiv genutzten Grünlandflächen erforderlich (Vorschlag: 10 Inseln, Größe jeweils 3x4m). Im näheren Umfeld gibt es Ausgleichsflächen der Gemeinde Aschau, die bisher als strukturarme Wiese bewirtschaftet werden. Vielleicht ist hier eine Kooperation möglich und die Anlage der Strukturen wird von der Gemeinde Aschau gestattet.

Es ist nicht richtig, dass die Feldlerche nicht beachtet werden muss. Dieses Jahr verzögerte sich aufgrund der Witterung im Mai bei einigen Arten die Reproduktionen, so dass eine Brut nicht ausgeschlossen werden kann. Durch die Bebauung des Ackers und ggf. den neuen Waldrand entfällt der Platz für ein Brutpaar. Es sollten daher Lerchenfenster auf angrenzenden Äckern zur Verbesserung der Lebensraumsituation angelegt werden.

Der vorhandene Waldrand hat sich als essentielles Jagdhabitat für Fledermäuse erwiesen. Die Flugaktivität war erheblich höher als an vergleichbaren Waldrändern im näheren Umfeld. Es ist anzunehmen, dass Tiere der im Siedlungsraum lebenden Wochenstuben hier jagen. Der vorhandene Waldrand sollte daher als mindestens 30m breiter Grünzug im Baugebiet erhalten werden oder (besser) weiterhin die Grenze zum Acker bilden (d.h., dass auf eine Bebauung des Ackers verzichtet wird). Aus den zahlreichen jungen Laubbäumen am derzeitigen Waldrand würde sich in kurzer Zeit ein ausreichend hoher Baumbestand entwickeln, auch wenn die hohen Nadelbäume aufgrund der Verkehrssicherungspflicht gefällt werden müssen.

Sollte sich der Erhalt des Waldrandes nicht verwirklichen lassen, so ist er versetzt nach Westen erneut aufzubauen. Dazu sollten Wurzelstöcke, Jungbäume und Soden auf der als Ortsrandeingrünung vorgesehenen Ackerfläche flächig aufgebracht werden. Auf ein vielfältiges Relief ist zu achten. Auch Wurzelstöcke nicht ausschlagfähiger Bäume sollten versetzt werden. Baumpflanzungen sollten nur ergänzend erfolgen. Im Vergleich zu reinen Neupflanzungen sind diese „versetzten“ Gehölzflächen deutlich artenreicher, da auch Tierarten wie Insekten übertragen werden. Stockausschläge bilden deutlich schneller ein dichtes Gehölz als Neupflanzungen, so dass die ökologische Funktion des Waldrandes schneller wieder hergestellt wird.

Zu den Gebäuden und den Grünflächen schlagen wir folgende Festsetzungen im Plan vor:

Fallen für Kleintiere wie Kellerfensterschächte und Treppenabgänge sind zu vermeiden. Mindestens eine Seite sollte schräg und „erkletterbar“ ausgeführt werden, etwa durch raue Steine.

Zur Förderung der Energiewende könnte eine Mindestfläche von Solarmodulen für jedes Gebäude vorgeschrieben werden. Die Ausrichtung der Gebäude ist hinsichtlich der Sonnenenergienutzung zu optimieren. Dies ist bisher nur teilweise der Fall. Für Flachdächer sollte eine Begrünung vorgesehen werden.

Zur Förderung der Gebäudebrüter sollen an jedem Haus zwei Niststeine in die Wand integriert werden.

Öffentliche Grünflächen, Parkplätze etc. sollten mit heimischen Stauden bepflanzt oder mit Saatgut heimischer Kräuter angelegt und als extensive Wiese gepflegt werden

Mit freundlichen Grüßen

Annemarie Räder

BN-Regionalreferentin Oberbayern


Stellungnahme zum Baugebiet nördlich der Daimlerstraße Waldkraiburg

Bebauungsplanes Nr. für das Gewerbegebiet nördlich der Daimler Straße, Flur-Nr. 660/1 der Gemarkung Waldkraiburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bund Naturschutz begrüßt, dass entgegen erster Planungen östlich der Schilcherlinie ein 20m breiter Waldstreifen verbleiben soll. Dennoch bedauern wir es sehr, dass sich die Waldfläche im Stadtgebiet weiter verringert und ein Ausgleich in anderen Gemeinden geschaffen werden soll. Mit der Abnahme der Gesamtwaldfläche im räumlichen Zusammenhang von Waldkraiburg und Mühldorfer Hart nimmt auch die ökologische Wertigkeit des Waldes ab, die sich wesentlich aus seiner Flächenausdehnung ergibt.

Das Volksbegehren im letzten Jahr hat gezeigt, dass der Erhalt ökologisch hochwertiger Flächen von großen Teilen der Bevölkerung eingefordert wird. Vor diesem Hintergrund sollte an die ökologische Gestaltung des Planungsbereichs höhere Anforderungen gestellt werden, als dies bisher der Fall war.

Zunächst zur Ersatzaufforstung:

Die geplante Ersatzaufforstung (FlNr. 343, Gemarkung Aschau am Inn, Fläche 11.520 m²) schafft neue naturschutzrechtliche Probleme. Im Norden grenzt ein südexponierter Waldrand an, der durch die Aufforstung verschwindet (Beschattung). Da im Süden der Aufforstung auch Waldflächen angrenzen, entsteht kein neuer Waldrand dieser Exposition. Südexponierte Waldränder sind sehr artenreiche Lebensräume, die erhalten werden sollten. Falls dort – wie zu erwarten – die europarechtlich geschützte Zauneidechse vorkommt, müsste die Stadt schon rein rechtlich gesehen an anderer Stelle Lebensräume für diese Art anlegen.  Im Umweltbericht fehlen Aussagen dazu.

Zum eigentlichen Planungsbereich:

Durch die Verschmälerung des Waldstreifens östlich der Schilcherlinie auf 20m nimmt die Helligkeit im verbleibenden Steifen durch die angrenzenden Laternen zu. Dadurch wird er als Jagdgebiet für lichtmeidende Fledermausarte wie insbesondere die Bechsteinfledermaus entwertet, die im Umfeld nachgewiesen wurde.  Diese Art lässt sich durch die in der saP angewandte Methode „Lautaufzeichnung“ nicht zuverlässig belegen, da ihre Rufe wenig artspezifisch sind. Daher muss von der Anwesenheit der Bechsteinfledermaus ausgegangen werden. Im Umweltbericht fehlen Aussagen, wie durch dichte Bepflanzung des neuen östlichen Waldrandes und ein spezielles Lichtkonzept die Aufhellung der Restwaldfläche weitgehend reduziert werden kann. Generell wäre ein Beleuchtungskonzept für den Planungsbereich, das eine weitgehende Vermeidung unnötiger Lichtverschmutzung und eine energiesparende Beleuchtung vorsieht, durchaus angebracht. Vorschläge hierzu:  Bei den Außen-, Parkplatz-, Werbeanlagen- und Straßenbeleuchtungen sollen ausschließlich insektenunschädliche Leuchtmittel (Natriumdampf-Lampen oder LED „Warmweiß“ mit max. 2.700 K) verwendet werden. Es ist darauf zu achten, dass die Abstrahlung nach oben verhindert und das Licht gezielt auf die zu beleuchtenden Flächen gelenkt wird. Die Außen-, Parkplatz- und Werbebeleuchtung ist außerhalb der Öffnungszeiten oder spätestens ab 23:00 bis 06:00 Uhr abzuschalten (Lichtverschmutzung eindämmen). Zu Werbeanlagen: Blinklichter und selbstleuchtende Werbeanlagen sind unzulässig. Es ist nur eine Werbeanlage vorzusehen und diese kann mit Strahler (Licht Warmweiß, 2.700 K) beleuchtet werden.“

Es sollte zudem geprüft werden, ob auf allen neuen oder zukünftig umzubauenden Gebäuden im Geltungsbereich des Bebauungsplanes die Errichtung von PV – Anlangen vorgeschrieben werden kann. Ebenso ist zu prüfen, ob eine Dachbegrünung auf mindestens 25% aller Dachflächen vorgeschrieben werden kann. Auch sollte pro 25m Gebäudelänge mindestens eine Nisthilfe für  Vögel / Fledermäuse vorgesehen werden. Fensterschächte und Aufgänge sind so auszuführen, dass keine Tierfallen entstehen (schräger, rauer Beton, Gestein wie Nagelfluh). Ggf. Kellerschächte mit insektensicheren Gittern abdecken.

Für die Grünflächen (öffentliche und solche von Firmen) sollten nicht nur hinsichtlich der Gehölze ökologische Vorgaben gemacht werden. Anstelle von Rasen sollten nur maximal dreimahdige Wiesen mit einer artenreichen regionalen Saatgutmischung verwendet werden (gutes Beispiel: Fa Kerbl in Ampfing). Alternativ: heimische Stauden die nicht oder nur nach Bedarf (1x jährlich) zurückzuschneiden sind. Dies gilt auch für Grünflächen an Parkplätzen. Letztere sollten möglichst wenig versiegelt sein und wo immer möglich mit angepasstem Bewuchs der Fugen gestaltet werden.  

Aus der Pflanzliste sollte die vom Eschentriebsterben betroffene Esche gestrichen werden. Elsbeere und Feldulme sind zu ergänzen.

Niederschlagswasser der versiegelten Flächen und der Dachflächen sollte vollständig und möglichst breitflächig versickert werden (in Waldkraiburg sinkt der Grundwasserspiegel seit Jahren  ganz erheblich!). Entsprechende bauliche Anlagen (Mulden etc.) sollten vorgesehen werden.

Wie sehr die Bürgerinitiative noch aktiv ist, kann ich nicht sagen. Ich denke nicht,  dass es im Stadtrat wesentliche Stimmen für einen völligen Verzicht auf die Planung gibt. Auch als BN beziehen wir uns hauptsächlich auf Punkte, die auf eine Abmilderung des Eingriffs hinauslaufen (darüber würde nicht mehr diskutiert, wenn wir einfach ablehnen).  Aus BN-Sicht wird der wirklich bedeutende Eingriff die Erweiterung des Industriegebietes nach Norden sein, nicht die derzeitige Verschmälerung des Waldes an der Schilcherlinie.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Zahn

Dr. Andreas Zahn
2. Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf des BUND Naturschutz

H. Löns Str.4
84478 Waldkraiburg
Tel.: 08638 86117
Andreas.Zahn@iiv.de

https://muehldorf.bund-naturschutz.de


Stellungnahme zum Bebauungsplan Nr. 69 für den Bereich "Nördlich der Daimlerstraße"

10. Änderung des Bebauungsplans Nr. 69 für den Bereich "Nördlich der Daimlerstraße – Stellungnahme des Bund Naturschutz vom 20. Mai 2019

- Nach Auffassung des BUND Naturschutz verringert sich durch die geplante Erweiterung der Abstand zwischen Wohnbebauung und Gewerbe- bzw. Industriegebiet erheblich. Dies ist abzulehnen, denn laut Umweltbericht kommt dem betroffenen Wald gemäß Waldfunktionsplan eine besondere Bedeutung für den lokalen Klima-, Lärm- und Immissionsschutz sowie als Erholungswald für die Bevölkerung zu.

- Nach dem Umweltbericht handelt es sich im Eingriffsbereich um standortgerechte Wälder. Da der Mühldorfer Hart noch immer von Fichten dominiert wird, ist der betroffene Waldbestand besonders wertvoll und kann durch eine aufgeforstete Wiese nicht ersetzt werden.

- Beim Eingriffsbereich handelt es sich um Jagdgebiete der Bechsteinfledermaus (Nachweise in der Nachbarschaft des Eichelgartens). Die Art bevorzugt naturnahe Wälder und meidet Licht. Daher kann sie durch die Verkleinerung des Jagdgebietes sowie durch die Aufhellung der angrenzenden Waldflächen (eine Folge der Straßenbeleuchtung im Industriegebiet) unmittelbar beeinträchtigt werden. Es fehlt der Beleg dafür, dass sich der Erhaltungszustand der lokalen Population nicht verschlechtert.

- Beim Eingriffsbereich handelt es sich weiterhin um Jagdgebiete der Fransen- sowie der Mopsfledermaus . Auch bei diesen Arten fehlt der Beleg dafür, dass sich der Erhaltungszustand der lokalen Population nicht verschlechtert.

- Die geplante Ersatzaufforstung ist so weit vom Eingriffsbereich entfernt, dass sie auch auf lange Sicht keinen Ersatzlebensraum für die betroffenen Populationen von Fledermäusen und Vögeln darstellt.

- In den Unterlagen fehlt die im Umweltbericht erwähnte spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, so dass eine Beurteilung der artenschutzrechtlichen Konsequenzen nicht abschließend möglich ist.
Eine Erweiterung von Siedlung und Gewerbe geht in Waldkraiburg fast immer zu Lasten des Waldes. Im Zusammenhang mit dem Artenschutz-Volksbegehren und aufgrund der aktuellen Klimaproblematik ist allgemein bekannt, dass mit dem Schutzgut Wald vorsichtiger als bisher umgegangen werden muss. Wir halten eine Diskussion über die Grenzen des Wachstums für Waldkraiburg für angemessen, da Klimaschutz nicht nur von der Emissionsseite her zu sehen ist und die Einhaltung der Klimaziele durch gemeindliche Vorgaben begünstigt werden kann. Im neuen Klimaschutzgesetz werden deswegen auch die Gemeinden mit in die Pflicht genommen.