Der Inn - Die letzte frei fließende Wildwasserstrecke

Blick auf das Naturschutzgebiet Stampfl bei Au
Innschleife bei Kloster Au (Gars)
Blühendes Inntal
Wehranlage bei Jettenbach (Inn-Kanal Abzweig)
Bei Hausing
Bei Ebing
bei Ensdorf
Naturdenkmal Heistinger Wand
Bei Starkheim (Mühldorf)

Der Inn im Landkreis Mühldorf

Der Inn hat durch die vom Menschen verursachten Nutzungen und Beeinträchtigungen wesentliche Bestandteile seiner Funktionen verloren. Als römischer Aenus (Der Wilde) gestartet hat man ihn mehr und mehr in ein Bett aus Beton und Flussbausteinen gezwängt, seine wilde Kraft zur Gewinnung von Energie ausgenutzt und ihn zum Vorfluter, wie in der Fachsprache der Wasserbauer unsere Flüsse und Bäche genannt werden, für die menschlichen und industriellen Abwässer degradiert. Der Bau der 16 Staustufen und die damit verbundenen Hochwasserfreilegungen haben zu deutlichen Veränderungen in den Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen geführt. Andere Funktionspotentiale - besonders die Lebensraumfunktion für Arten der Stillgewässer - wurden dagegen über die naturräumlich typische Verteilung hinaus ausgebaut. So haben weite Teile des früher dynamischen Flusses besonders zu Niedrigwasserzeiten nur noch die Qualität einer Kette von Tümpeln und Seen. 

Trotz dieser starken Eingriffe und Veränderungen setzt sich das Inntal im Landkreis Mühldorf mit seinen Auenlandschaften auch heute noch im Standort- und Artenspektrum deutlich von dem durch landwirtschaftliche Nutzung geprägten übrigen Landkreis ab. Selbst die durch fehlende FIussdynamik beeinträchtigten Bereiche enthalten noch reich strukturierte Lebensräume mit einer Vielzahl ökologischer Nischen für seltene und bedrohte Arten.

Nach den Ergebnissen der FIussauenkartierung des Landesamtes für Umweltschutz (LfU) 1991 sind im Abschnitt Gars - Mühldorf immerhin noch 39 % der Auwälder als naturnahe und bedingt naturnahe Bestände einzustufen. Die größten Bestände naturnaher, fossiler Weichholz- Auwälder (Silberweidenauwälder mit Grauerle und Grauerlenwälder mit Silberweidenanteil) finden sich zwischen Jettenbach und Mühldorf. Hier liegt auch der größte Restbestand eines Hartholz - Auwaldes mit Eichen, Eschen, Ulmen und Bergahorn, wie er wohl sonst am Inn kaum noch zu finden ist.

Unabhängig von den vergangenen und bestehenden Beeinträchtigungen muss den Inn - Auwäldern unter heutigen Bedingungen aufgrund ihrer Biotop- und Artenausstattung und des hohen Vernetzungspotentials eine landesweite Bedeutung zugesprochen werden. Entsprechend den Ergebnissen und Empfehlungen der FIussauenkartierung und der Biotopkartierung wird auch im Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) eine Ausweisung als Naturschutzgebiet (NSG) für den größten Teil des Inns vorgeschlagen, vor allem wichtige Abschnitte der fast 30 km langen letzten noch "frei fließenden" Flussstrecke. Dieser Teil leidet besonders durch die Nutzung zur Energiegewinnung. In Jettenbach werden dem Inn 340 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen, um damit in Töging Strom erzeugen zu können. Im Innbett müssen ganzjährig lediglich 5 cbm/s verbleiben. Nach dem nun die Neubewilligung der Wasserkraftnutzung anstand, konnte die Restwassermenge deutlich erhöht (auf 35 cbm/s) werden und mit der Umsetzung eines Gewässerpflegeplanes ist eine wesentliche Verbesserung der Gesamtsituation zu erwarten.

Ebenfalls hoch zu bewerten und in einen Lebensraumkomplex "lnnaue mit flussbegleitenden Leiten" mit ein zu beziehen ist die Ausstattung und der Erhaltungszustand der angrenzenden Hangwälder, Prallhänge, bewaldeten oder unbewaldeten Terrassenkanten und Böschungen. Durch ihr großes Lebensraumspektrum, ihren häufig noch intakten Verbund und durch ihre Störungsarmut bilden diese Strukturen ein effektives Venetzungsgerüst und bieten Rückzugsstandorte für viele Tiere und Pflanzen. Hier finden sich häufig extreme Trockenstandorte unweit von quelligen oder frischen bis feuchten Standorten.

Das "Stampflschlösschen" in Au

Am westlichen Innufer bei Gars befindet sich ein in der freien Landschaft weithin heraustretender Höhenrücken, dessen mit Altmoräne überdeckter, teilweise bewaldeter Osthang steil zum Inn abfällt. Der voreiszeitliche Untergrund steigt in Form hellgrauer glimmeriger Sande bis zum unteren Drittel des Steilhanges empor. Quellhorizonte, welche durch Auengehölze und Schilf gekennzeichnet sind, füh­ren zu welligen Verformungen, bzw. zu Hangrutschungen. Die beherrschende Anhöhe des Schutzgebietes, auf der der mittelalterliche Wehrturm des Stampflschlössls steht, eröffnet einen prachtvoller Blick auf den gewundenen, von Gehölzen malerisch begleiteten Innlauf. Sie zählt daher mit zu den schönsten Aussichtspunkten des Inntals im Voralpenland. Die schwer zugängliche Schutzgebietsteil am Steilhang zum Inn ist zugleich das Nist- bzw. Brutgebiet von Graureihern.

Das Inntal zwischen Ebing und Ecksberg

Die etwa 2 km lange, reizvolle Flusslandschaft mit Steil- und Gleitufern des hier noch weitgehend naturnah hinziehenden Flusslaufes ist das ökolo-gische "Filetstück". Die "Heistinger Wand" ist der einzige unverbaute Prallhang von dem sich der Inn neues Geschiebe holen kann um weitere Eintiefungen des Flussbettes zu verhindern. Im Westen bestimmen steil angeschnittene Schotter der älteren Niederterrasse und Grundwasser-austritte über der wasserstauenden Flinzschicht das Bild, im Osten die Gleithangschottertreppe, die auf ihrer tiefsten und jüngsten Stufe eine floristisch bemerkenswerte Weiden - Tamariskenflur trug (die Tamariske ist inzwischen ausgestorben). Im Bereich höherer Flussterrassen finden wir Quellmoorvegetation sowie Auwaldbestände. Die westlichen Steilhänge sind teils mit Eichen, Eschen und Fichten bestockt, teilweise kommt es jedoch nur zur Ansiedlung auf Kalk angewiesener Pionierpflanzen. Reizvoll auch zu beobachten, wie an den Quellaustritten immer wieder Kalktuff entsteht, in früheren Zeiten ein beliebter Baustoff.