Der Inn - Die letzte frei fließende Wildwasserstrecke

Der Inn im Landkreis Mühldorf

Der ursprünglich wilde Inn (Aenus, römisch: Der Wilde) hat durch Ausbau und Stau viel von seinen ursprünglichen Charakter verloren. Der Bau von 16 Staustufen und die damit verbundenen Hochwasserfreilegungen haben zu deutlichen Veränderungen in den Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen geführt. Weite Teile des früher dynamischen Flusses entsprechen eher einer Kette von Seen. 

Trotz dieser starken Eingriffe und Veränderungen weist das Inntal im Landkreis Mühldorf mit seinen Auenlandschaften auch heute viele besondere Arten und Lebensräume auf.

Zwischen Gars und Mühldorf sind noch über ein Drittel der Auwälder als relativ naturnahe Bestände einzustufen. Die größten Bestände an Weichholzauwäldern, geprägt von Silberweiden und Grauerlen finden sich zwischen Jettenbach und Mühldorf. Hier liegt auch der größte Restbestand eines Hartholz - Auwaldes mit Eichen, Eschen, Ulmen und Bergahorn, wie er sonst am Inn nur noch selten zu finden ist.

Die Auwälder und große Teile der Hangleitenwälder des Inntals im Landkreis Mühldorf wurden als Natura 2000 (FFH-Gebiet 7939-301, Innauen und Leitenwälder) ausgewiesen, sie sind damit Teil der europaweiten bedeutenden Schutzgebietskulisse.

Von besondere Bedeutung ist der nicht gestaute, also frei fließende Abschnitt des Inns zwischen Jettenbach und Töging. Hier blieben noch Reste des Wildflusscharakters wie Steilwände und Kiesbänke erhalten. Von hoher Wichtigkeit für das Ökosystem war die Erhöhung der im Flussbett verbleibenden Restwassermenge von ursprünglich nur fünf Kubikmetern Wasser pro Sekunde; ein Erfolg der Inn-Allianz, an der der BUND Naturschutz wesentlich beteiligt war. In den Sommermonaten müssen jetzt am Jettenbacher Stauwehr mindestens 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in das Flussbett abfließen, im Winter sind es 35 Kubikmeter pro Sekunde. Damit haben sich die Verhältnisse für Arten der Fließgewässer deutlich verbessert.

Das "Stampflschlösschen" in Au

Am westlichen Innufer bei Gars befindet sich ein in der freien Landschaft weithin heraustretender Höhenrücken, dessen mit Altmoräne überdeckter, teilweise bewaldeter Osthang steil zum Inn abfällt. Der voreiszeitliche Untergrund steigt in Form hellgrauer glimmeriger Sande bis zum unteren Drittel des Steilhanges empor. Quellhorizonte, die durch Auengehölze und Schilf gekennzeichnet sind, füh­ren zu welligen Verformungen, bzw. zu Hangrutschungen. Die beherrschende Anhöhe des Schutzgebietes, auf der der mittelalterliche Wehrturm des Stampflschlössls steht, eröffnet einen prachtvoller Blick auf den gewundenen, von Gehölzen malerisch begleiteten Innlauf. Sie zählt daher mit zu den schönsten Aussichtspunkten des Inntals im Voralpenland. Ein unterhalb gelegenes, kleines Naturschutzgebiet am zum Inn abfallenden Steilhang mit naturnahmen Waldbestand ist zugleich ein Brutgebiet von Graureihern.

Das Inntal zwischen Ebing und Ecksberg

Die etwa 2 km lange, reizvolle Flusslandschaft mit Steil- und Gleitufern des hier noch weitgehend naturnah hinziehenden Flusslaufes ist ein ökologische "Filetstück" im Landkreis. Die "Heistinger Wand" ist der einzige unverbaute Prallhang des gesamten Inns. Im Zuge der Renaturierungen der Wasserwirtschaft wurde die Uferverbauung an manchen Abschnitten entfernt, so dass sich der Inn neues „Geschiebe“ (Schotter und Kiese) aus den Seitenwänden holen kann, was die weitere Eintiefung des Flussbettes reduziert. Bei Ebing hat dies bereits zu einer erheblichen Verlagerung des Flussbettes und zur Entstehung großer neuer Kiesbänke geführt.

Kalktuffbänke

Ein weitere Besonderheit der Innleiten sind die Quellaustritte an der Grenze zwischen den eiszeitlichen Schottern und der darunter liegenden, wasserstauenden Schicht aus dem Tertiär. Hier entstehen mitunter große Kalktufffelsen (besonders schön zwischen Ensdorf und Guttenburg), in früheren Zeiten ein beliebter Baustoff.