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BUND Naturschutz freut sich: Umweltreferent geht mit gutem Beispiel voran

Bunte Blumenwiesen sind im Inntal keine Selbstverständlichkeit. Will man Glockenblume & Co fördern, kommt es auf eine angepasste Bewirtschaftung an.

Der Waldkraiburger Umweltreferent Wolfgang Hintereder geht nach Ansicht des BUND Naturschutz hier mit gutem Beispiel voran:

Grillen veranstalten ein lautes Konzert, Schmetterlinge gaukeln über Margeriten und Wiesensalbei. Eine Kulturlandschaft im besten Sinn, direkt vor den Toren Waldkraiburgs am Waldrand bei Stockham. Bunte Wiesen wie hier zu sehen, waren vor 50 Jahren im Umfeld der Stadt keine Seltenheit. Sie sind inzwischen meist artenarmen „Wirtschaftsgrünland“ gewichen, das häufige Mahd und intensive Düngung verträgt.

Wolfgang Hintereder hat als Nebenerwerbslandwirt einen blumenreichen Wiesenstreifen nördlich Stockham bis in die Gegenwart „hinübergerettet“. Und seit letztem Jahr hat er die Fläche sogar vergrößert und auf dem angrenzenden Acker die Samenmischung „Blühendes Inntal“ ausgebracht. „Als Naturschutzreferent fordere ich naturnahe Flächen in der Stadt, da muss ich auch persönlich meinen Beitrag leisten“ erklärt der Landwirt. Das gute Heu der Wiesen wird am Hof verwertet. Besonders freut sich darüber Benedikt Hintereder, der Futter für seine Rinder braucht und sich wie sein Vater für Landwirtschaft und Natur begeistert. Die Wiese wird erst im Juni gemäht, wobei abschnittsweise vorgegangen wird, damit viele Kräuter und Blumen blühen und Samen bilden können. Der Artenreichtum im Heu ist auch für die Gesundheit der Rinder gut.

„Der Bund Naturschutz freut sich sehr über dieses schöne Beispiel für Naturschutz durch Landwirtschaft vor Ort“ betont Doris Pohlus, die stellvertretende Kreisvorsitzende, die im Inntal wohnt.

Da entlang der Wiese der Ausbau eines Radweges geplant ist, schlägt der BUND Naturschutz vor, auf einer Tafel Wanderer und Radfahrer über die Bedeutung artenreicher Wiesen zu informieren.


Klimawandel zeigt sich in der heimischen Natur

Der Klimawandel hat auch das Inn-Hügelland fest im Griff. Im Isental trocknen Kleingewässer aus, in den während der Eiszeit entstandenen Toteiskesseln ist der Wasserhaushalt gestört.

Und in der Schotterebene bei Ampfing ist der Grundwasserstand um zwei Meter gesunken, Tiere und Pflanzen der Feuchtgebiete leiden Not. Die gestressten Fichten befällt der Borkenkäfer und 2018 zeigten Buchen schon im August herbstliches Braun. Dass es im Frühjahr 2021 ausnahmsweise wieder einmal so kühl und regnerisch war, wie noch vor 40 Jahren üblich, verschafft der Natur nur eine kurze Verschnaufpause.

Wie kritisch die Situation ist, erlebt der BUND Naturschutz in den von ihm betreuten Gebieten. So können seltene Amphibien wie die Gelbbauchunke in der BUND Naturschutzkiesgrube und im FFH-Gebiet bei Aschau Werk nur durch die Anlage künstlicher Gewässer vor dem Aussterben bewahrt werden. Denn der Regen füllt die bisherigen Laichgewässer viel zu selten und aufgrund der hohen Temperaturen trocknen die Tümpel aus, ehe die Entwicklung der Kaulquappen beendet ist. Die Frühjahrsniederschläge, entscheidend für die Amphibien, lagen in den letzten Jahren um 8,7 % unter dem langjährigen Mittel, die Temperaturen um 1,6°C darüber, was die Verdunstung deutlich erhöht und die Austrocknung der Gewässer fördert. Nur durch Abdichtung von Gewässern mit Beton oder Folie können die seltenen Unken oder Wechselkröten überleben. 

Wie die Naturschützer beobachten, versiegen auch Bäche immer häufiger, was Kleinfischarten aber auch den Feuersalamander gefährdet. So sind in der Howaschen bachabwärts der Gemeinde Aschau die Fischarten Elritze und Schmerle ausgestorben, ebenso der Grasfrosch. Denn der Bach führt hier nur nach Starkregen noch für wenige Tage Wasser.

Im Isental haben Libellenarten der Moore und Feuchtgebiete abgenommen, wie eine Untersuchung im Sommer 2020 ergab. Südliche, an Hitze angepasste Arten wie die Feuerlibelle, breiten sich als Gewinner des Klimawandels hingegen aus.

Neben Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung ist es nach Ansicht des BUND Naturschutz jetzt auch dringend nötig, einen besseren Rückhalt des Wassers in der Landschaft zu ermöglichen. Auch muss die Beeinträchtigung von Feuchtgebieten und Gewässern durch zu hohe Düngeeinträge, Entwässerungen, Begradigung und Flächenverluste deutlich reduziert werden. Naturnahe Bäche und Gräben mit angrenzenden Auen und Feuchtwiesen sind hierfür enorm wichtig. Auch im Inn-Hügelland könnte man nach Ansicht der BUND Naturschutz Kreisgruppe den Wasserabfluss an vielen Stellen verlangsamen und Flächen wieder vernässen. Eine große Hilfe ist hierbei der Biber, führt er doch Wasserbau zwecks Wasserrückhalt emsig und kostenlos durch. Biberstauteiche sind eine Oase für Amphibien, Libellen, Wasserinsekten und viele andere Tiere. Auch Vögel finden hier in wochenlangen Trockenperioden noch ausreichend Insektennahrung. Wo immer eine Duldung von Biberdämmen möglich und durch eine angemessene Entschädigung für die Grundeigentümer erträglich ist, sollte die Aktivität der emsigen Nager geduldet werden. Die Natur wird es im nächsten Hitzesommer danken.


Reptil des Jahres BUND Naturschutz sorgt für die Zauneidechse

Die Zauneidechse wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Reptil des Jahres 2020/21 gekrönt.

„Das hat uns sehr gefreut, um diese Art bemühen wir uns intensiv“ erklärt Daniela Seitz vom Vorstand der Kreisgruppe des BUND Naturschutz. „Auf den von uns gepflegten Flächen tun wir alles, damit es den Eidechsen gut geht“. Daniela Seitz hat ihre Bachelorarbeit über die Vorkommen dieser Art in der BUND-Naturschutz-Kiesgrube geschrieben.

Die Zauneidechse (lat. Lacerta agilis) gehört zur Gattung der Smaragdeidechsen. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben oft ein „leiterartiges“ Muster in der Mitte des Schwanzes und des Rückens. Während die Weibchen ganzjährig braun gefärbt sind, färben sich Männchen in der Paarungszeit grün. „Jetzt im späten Frühjahr sind die Männchen besonders prächtig“ weiß die 26-jährige. „Musterung und Färbung der Eidechsen sind sehr unterschiedlich, beispielsweise gibt es hier im Landkreis oft rotrückige Exemplare“. In Mitteleuropa erreicht die Zauneidechse ungefähr 18-20 cm Länge und kann zwischen 4 bis 10 Jahren alt werden. Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten, wie Heuschrecken und Käfern.

Zauneidechsen kommen in weiten Teilen Europas und Asiens vor; von den Britischen Inseln im Westen bis in den fernen Osten Sibiriens. Im Landkreis sind Zauneidechsen besonders in Kiesgruben, an Bahndämmen, Wald- und Heckenrändern zu finden. „Gärten wären eigentlich gute Lebensräume, doch fallen die Eidechsen hier meist schnell den Katzen zum Opfer“ bedauert Seitz. Auch Vögel wie Fasan und Turmfalke, aber auch Säuger wie Marder und Dachs stellen der Zauneidechse nach. Bei Gefahr kann sie ihren Schwanz abwerfen, der anschließend kürzer nachwächst. 

Die Zauneidechse gilt in Bayern nach der Roten Liste als gefährdete Art (Stufe 3). Ihre Bestände haben regional deutlich abgenommen. Sie ist daher streng geschützt, ebenso wie ihre Lebensräume. „Wird die Art durch Bauvorhaben beeinträchtigt, muss man für sie neue Lebensräume anlegen und im Notfall die Tiere umsiedeln“ erläutert Daniela Seitz.

Im Landkreis Mühldorf wurden schon mehrfach neue Zauneidechsenlebensräume angelegt. Auffällig sind etwa die Steinhaufen entlang der Bahnlinien. Grundstücksbesitzer können die Zauneidechse einfach fördern. Denn was die Eidechsen besonders lieben, hat Seitz in ihrer Bachelorarbeit herausgefunden: „Einfach an gut besonnten Gehölzrändern große Asthaufen anlegen – da stellen sich Eidechsen gerne ein.“


Schlechte Zeiten für Waldkraiburgs Abendsegler?

Über 500 Abendsegler, eine der größten Fledermausarten Bayerns, wurden in machen Jahren an den Hochhäusern im Süden Waldkraiburgs gezählt. Jetzt sind es nur noch 200, wie die Zählung des BUND Naturschutz belegt. Die Ursache für den Rückgang ist unklar.

Waldkraiburg war viele Jahre eine Hochburg der Abendsegler. Die großen Fledermäuse verbringen hier den Winter und gehen entlang des Inns auf Insektenjagd. Im Frühjahr ziehen alle Weibchen und ein Teil der Männchen nach Nordosten bis in die Gegend von Berlin oder sogar nach Polen, wie durch Wiederfunde beringter Tiere belegt ist. Dort wohnen die Abendsegler in Baumhöhlen, in denen auch die Jungen (stets nur ein oder zwei pro Weibchen) zu Welt kommen. In Waldkraiburg sind dann nur noch einige Männchen anzutreffen, vermutlich die besonders bequemen Exemplare. Im August kehren die übrigen Abendsegler zurück, einschließlich der im Sommer geborenen Jungen. Die kräftigen Männchen besetzten im Spätsommer und Herbst Baumhöhlen oder Fledermauskästen in Waldkraiburg und Umgebung. Durch laute Balzgesänge, die aber weitgehend im Ultraschallbereich liegen und uns daher nicht auffallen, locken sie Weibchen zur Paarung an. Doch auch an den Gebäuden ist um diese Zeit schon viel los: Wer nicht gerade ein Rendezvous in einer Baumhöhle hat, hängt an den Hochhäusern nahe der Innkante ab. Nach der Paarung werden dann die Winterquartiere bezogen, die sich oft an südexponierten Hausseiten befinden. Abendsegler halten keinen durchgehenden Winterschlaf und fliegen bei warmer Witterung auch zwischen November und März immer wieder aus. Scheint die Sonne auf ihre Quartiere, kann man oft ihre lauten Sozialrufe deutlich vernehmen. Dadurch lässt sich auch feststellen, welche der Fledermauskästen gerade besiedelt sind. Denn die Abendsegler wohnen inzwischen überwiegend in Quartieren, die man extra für sie gebaut hat. Als die Hochhäuser im Süden Waldkraiburgs saniert und wärmegedämmt wurden, mussten die ursprünglichen Verstecke der Fledermäuse, die Spalten hinter den Eternitverkleidungen der Häuser, beseitigt werden. Da Fledermausquartiere gesetzlich geschützt sind, wurde in Form verschiedener Fledermauskästen Ersatz geschaffen, der mittlerweile von den Tieren gut angenommen wird.

Jedes Jahr erfasst der BUND Naturschutz die Zahl der aus den Quartieren ausfliegenden Abendsegler Ende April oder Anfang Mai. Leider mussten die Naturschützer feststellen, dass der Bestand in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat, nur knapp über 200 Tiere wurden gezählt. Ein Trend, der sich in ganz Bayern abzeichnet und dessen Ursache nicht geklärt ist. Als Insektenfresser sind Abendsegler auf ein reiches Angebot großer und nachts fliegender Insekten angewiesen. Alle Maßnahmen die Nachtfalter & Co fördern, wie etwa „wilde“ Grünanlagen und Gärten, helfen letztlich auch Fledermäusen.