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TODESFALLE LICHT

Insekten sterben massenweise durch nächtliche Beleuchtung

Wenn es Nacht wird, kämpfen viele Insekten ums Überleben. Straßenlampen, Autoscheinwerfer, Leuchtreklame, Flutlichter auf Parkplätzen, Tankstellen und Sportanlagen, Strahler auf Baustellen, Gewerbeflächen und Baudenkmäler – für nachtaktive Insekten können solche Lichtquellen zu Todesfallen werden, denn sie führen zum Zusammenbruch ihres angeborenen Orientierungsvermögens. Um das große Insektensterben aufzuhalten, fordert der BUND Naturschutz auch ein Umdenken bei künstlichen Lichtquellen.

„Von den in Deutschland vorkommenden Insektenarten sind etwa 70 Prozent nachtaktiv. Viele davon sind bereits in ihrem Bestand gefährdet“, sagt Professor Dr. Kai Frobel, Artenschutzexperte des BN. Für ihn steht fest: „Es ist höchste Zeit, um auf Beleuchtungsalternativen umzusteigen, die Beleuchtungsdauer zu verkürzen oder in bestimmten Fällen ganz auf nächtliche Beleuchtung zu verzichten.“

Das Problem vieler nachtaktiver Insekten: Sie sehen noch bei unglaublich geringen Lichtstärken und fühlen sich vom Licht angezogen. Nachtaktive Schmetterlinge können beispielsweise auch den ultravioletten Teil des Lichtspektrums wahrnehmen. Sie reagieren am stärksten auf Licht, das der Mensch gerade noch als violett wahrnimmt, aber auch auf kurzwellige UV-Strahlen, die für uns schon unsichtbar sind. „Viele Lampen, die neben dem sichtbaren auch dieses UV-Licht ausstrahlen, ziehen deshalb Nachtfalter und andere Nachtinsekten besonders stark an und locken sie in riesigen Scharen aus ihren eigentlichen Lebensräumen heraus", erklärt Professor Frobel.

Das Fatale: Haben Insekten eine künstliche Lichtquelle entdeckt, umfliegen sie sie bis zur völligen Erschöpfung oder sie kollidieren mit der Lampe, werden angesengt und verletzen sich dabei tödlich. Wer vor Erschöpfung zusammengebrochen ist, fällt oft seinen Fressfeinden zum Opfer. Nachtjäger wie Spitzmäuse, Igel, Kröten, Laufkäfer und Spinnen haben mit den erschöpften Insekten leichtes Spiel. Bei Tagesanbruch räumen dann die Vögel unter den noch immer erstarrt verharrenden Insekten auf, die sich an Hauswänden ausruhen oder am Boden liegen. „Ganze Insektenpopulationen können so in der Stadt in kurzer Zeit zusammenbrechen. Das Massensterben der zum Licht gelockten Tiere kann nicht wettgemacht werden. Selbst scheinbar naturnahe Lebensräume in der Stadt verarmen so", beklagt Kai Frobel.

Deshalb war ein Ziel des Volksbegehrens Artenvielfalt, die Lichtbelastung zu reduzieren. Seit 1. August 2019 gelten neue Vorschriften zur Beleuchtung von Gebäuden und im Außenbereich. Diese wurden jedoch noch nicht überall in Bayern umgesetzt.

Dabei könnte man dem Insektensterben mit einigen Maßnahmen Einhalt gebieten:

Notwendigkeit der Beleuchtung abklären Nicht jede nächtliche Beleuchtung im öffentlichen Raum ist wirklich notwendig. Bei baulichen Veränderungen sollten unnötig gewordene Beleuchtungen rückgebaut werden.

Technische Maßnahmen: Leuchtkörper sollten so abgeschirmt werden, dass das Licht nur dorthin gelangt, wo auch etwas beleuchtet werden muss. Wünschenswert sind vor allem Leuchten mit einem begrenzten Abstrahlwinkel. Objekte sollten nur so stark wie wirklich nötig beleuchtet werden. Mit einer gedämpften Beleuchtung lässt sich oft eine bessere Wirkung erzielen. Zudem sollten Leuchtkörper verwendet werden, die einen möglichst geringen Anteil an kurzwelligem Licht aussenden. Die deutlich geringste Anlockwirkung zeigen warmweiße LED-Lampen. Sie lockten nur etwa 1/8 so viele Insekten an wie die gängigsten Metalldampflampen an.

Ausrichtung und Platzierung der Leuchten: Jede Leuchte sollte grundsätzlich zum Boden hin gerichtet sein. Vor allem Straßenleuchten sollten so platziert werden, dass sie nicht in die Umgebung oder in ökologisch sensible Räume strahlen.

Zeitliche Begrenzung: Beim umweltgerechten Betrieb von Beleuchtungen sind Zeitschaltungen gefragt. Nicht jede Laterne und jeder Scheinwerfer muss die ganze Nacht an sein. Einige Kommunen in Bayern haben bereits damit begonnen, nach Mitternacht die Straßenbeleuchtung abzuschalten oder zu reduzieren. Auf Sportplätzen sollte das Flutlicht erst kurz vor dem Spiel ein- und danach sofort wieder ausgeschaltet werden. In ökologisch sensiblen Gebieten sollte die Beleuchtung nach 22 Uhr vollständig abgeschaltet werden, vorausgesetzt, die Sicherheitsbestimmungen erlauben eine solche Maßnahme.

Zusätzliche Maßnahmen: Es sollen nur Leuchten zum Einsatz gelangen, die eine Abdichtung gegen das Eindringen von Insekten und Spinnen aufweisen. Falls der Boden stark beleuchtet wird, soll darauf geachtet werden, dass dieser keinen hellen oder gar reflektierenden Farbton hat. „Die Festbeleuchtung in den Orts- und Stadtkernen kann mit diesen insektenfreundlichen Lampen und Beleuchtungsvorschlägen ohne Sicherheitskompromisse reduziert werden und spart darüber hinaus kostbare Energie ein“, sagt Kai Frobel. „Zusätzlich könnte darüber nachgedacht werden, bei Baudenkmälern, Flussbrücken, oder anderen landschaftlichen Attraktionen die Effektbeleuchtung auf Sonn- und Feiertage zu begrenzen.“

 

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Kai Frobel
BN-Artenschutzreferat
Tel. 0911 81 878 19
kai.frobel@bund-naturschutz.de

BN-Landesfachgeschäftsstelle München Pettenkoferstr. 10 a 80336 München Tel. 089/54 82 98‐63 Fax 089/54 82 98‐18 fa@bund‐naturschutz.de www.bund‐naturschutz.de München, 14. August 2020 PM 58/20/LFG-München Naturschutz


Naturschützer ziehen gemischte Bilanz zum Volksbegehren Artenvielfalt im Landkreis Mühldorf

Wichtige Impulse, aber noch keine Trendwende

BUND Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz fordern mehr Schub für funktionierenden Biotopverbund, die Renaturierung von Mooren und mehr Unterstützung für Bio-Landwirtschaft.

Am 01. August 2020 jährt sich die Aufnahme zahlreicher neuer Verpflichtungen in das Bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren Artenvielfalt. Auch im Landkreis Mühldorf hatten rund 17% der Bevölkerung dafür gestimmt, mit hohen Zustimmungswerten sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Was ist seitdem im Landkreis für die Artenvielfalt passiert? Die Kreisgruppen von BUND Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) ziehen regional Bilanz.

Wir sind nicht unzufrieden, denn durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch bei uns im Landkreis hat sich etwas getan“ bilanziert Dr. Andreas Zahn, amtierender Kreisvorsitzender des BUND Naturschutz. Kommunen, Landwirte und VerbraucherInnen – angestoßen durch das Volksbegehren haben viele verstärkt zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt beigetragen. „Wir beobachten, dass Gemeinden ihre Grünflächen seltener mähen, Landwirte bunten Wiesenränder stehen lassen und in Gärten verstärkt Wildblumen für Insekten blühen“ stellt Günther Weitzer, seit kurzem neuer Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz fest. Auch die Anlage von hochwertigen Blühflächen durch den Maschinenring und einzelne engagierte Landwirte wird von den Verbänden begrüßt.  Das Volksbegehren hat nach Ansicht der Naturschützer darüber hinaus auch dem Landschaftspflegeverband und wichtigen Naturschutzaktionen im Landkreis Rückenwind gegeben, etwa dem BayernNetzNatur Projekt „Schätze der Eiszeitlandschaft“ oder der Aufwertung der „Eh-da-Flächen“. 

Im Landkreis werden derzeit 5,5% der Ackerfläche und 9,6% des Dauergrünlands nach Kriterien des Ökolandbaus bewirtschaftet. Hier sehen BN und LBV noch Steigerungspotenzial, insbesondere wenn die Nachfrage nach Bioprodukten durch entsprechende Angebote, etwa in Kantinen öffentlicher Einrichtungen weiter verbessert wird. Beide Verbände arbeiten schon seit langem erfolgreich beim Naturschutz mit Landwirten zusammen, so der LBV beim Kiebitzschutz und der BN bei der Landschaftspflege durch Weidetiere. „Trotz heißer Diskussionen während des Volksbegehrens  sind viele Landwirte sehr am Naturschutz interessiert, legen Blumenwiesen an und fördern die Artenvielfalt“ betont Günther Weitzer. „Doch für eine echte Trendwende wäre eine Ökologisierung der EU-Agrarförderungen entscheidend.

Defizite auf lokaler Ebene sehen die Naturschutzverbände besonders beim Moorschutz und beim Biotopverbund. So wäre im FFH-Gebiet Isental eine Wiedervernässenung der Niedermoorstandorte dringend erforderlich, um die besondere Flora und Fauna zu erhalten und das Klimaschutzpotenzial dieses Gebietes auszuschöpfen. Und beim Biotopverbund gälte es, ein Netz aus naturnahen Lebensräumen zu schaffen, die durchaus landwirtschaftlich genutzt werden. „Streifen mit Sonnenblume und Co zwischen Acker und Straße genügen hier aber nicht“ erklärt dazu Andreas Zahn „sie stellen sogar eine ökologische Falle dar, da die hier überwinternden Insekten kaum überleben, wenn die Streifen im Winter umgepflügt werden“. Große Hoffnung setzen die Verbände auf die neuen Uferrandstreifen an Gewässern, denen bei der Biotopvernetzung eine große Rolle zukommen kann, wenn dort artenreiche Wiesen oder Staudenflächen gedeihen dürfen. Auf der Wunschliste der Naturschützer steht auch die insektenfreundliche Mahd, die auf öffentlichen Flächen zum Teil nicht durchgeführt werden kann, weil die entsprechenden Mähgeräte fehlen.

An den Kreistag und die Gemeinderäte richten BN und LBV die Bitte das Thema Biodiversität auch in der Bauleitplanung noch besser zu verankern: Gründächer, Blumenwiesen auf Grünflächen, Ast- und Steinhaufen als Tierhotels, Nisthilfen an Gebäuden  – es gibt viele Möglichkeiten im Siedlungsbereich, die konsequent genutzt werden sollten.  BN und LBV stimmen überein: Nur wenn die Förderung der Biodiversität zusammen mit dem Klimaschutz bei allen Planungen Thema ist, kann es gelingen eine Trendwende beim Schutz der Artenvielfalt zu erreichen. Letztendlich entscheidend für den Erfolg ist, dass jeder Einzelne seinen Beitrag zum Schutz der Natur leistet und alle Beteiligten gemeinsam im engen Dialog nach Lösungen suchen, so das Resümee der beiden Kreisvorsitzenden.

Der BN hat die Umsetzung des Volksbegehrens bayernweit in Form einer Ampel bewertet: https://www.bund-naturschutz.de/volksbegehren-artenvielfalt-aktueller-stand.html

Für Rückfragen: Bund Naturschutz KREISGRUPPE MÜHLDORF AM INN, Prager Straße 6, 84478 Waldkraiburg. 08638-3701, Fax.: 08638 881052


BUND NATURSCHUTZ BEGRÜSST ERWEITERUNGSPLÄNE FÜR DEN NATIONALPARK BAYERISCHER WALD

Große Freude über geplantes Geburtstagsgeschenk: Der Nationalpark Bayerischer Wald soll weiter wachsen

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) freut sich über die Pläne, den Nationalpark Bayerischer Wald um 600 Hektar zu erweitern. Die Bevölkerung müsse aber aktiv in die weitere Diskussion miteingebunden werden.

„Wir hoffen, dass diese Pläne bald in die Realität umgesetzt werden und, dass auf den betrachteten Flächen bald ganz getreu dem Nationalparkmotto die Natur Natur sein kann“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz Bayern. „50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald sind ein enormer Erfolg und haben trotz anfänglicher Schwierigkeiten bewiesen, dass sich ein Nationalpark positiv auf das Lebensgefühl vor Ort, den Tourismus und natürlich nicht zuletzt auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken“, so Mergner weiter.

Das Gebiet in der Gemeinde Mauth im Landkreis Freyung-Grafenau, das direkt an Tschechien grenzt und zwischen dem deutschen und dem tschechischen Nationalpark liegt, hält der BUND Naturschutz für sehr geeignet, um diesen Schritt der Arrondierung zu machen. Die Flächen, die vor einigen Jahren von starkem Windwurf betroffen waren, befinden sich bereits in der Phase der Naturverjüngung mit einzelnen Altbäumen. In letzter Zeit mehren sich die Sichtungen von Tieren mit hohem Schutzstatus wie Haselhuhn und Habichtskauz. So dass davon auszugehen ist, dass dieses Gebiet bereits jetzt als Rückzugsort für seltene Tier- und Pflanzenarten bestens funktioniert.

„Es ist eine Freude, wenn ich als Naturschützer die Früchte unsere Arbeit wachsen sehe. Gerade durch die Erweiterung an der Grenze zum Nationalpark Sumava und damit am Grünen Band Europas bietet sich nun die Chance in einem vereinten Europa, dass die beiden Nationalparke im Jubiläumsjahr enger zusammenwachsen“, sagt Karl Haberzettl, BN-Kreisvorsitzender von Passau und Landesvorstandsmitglied.

Dr. Peter Mayer, Vorsitzender der Kreisgruppe Freyung-Grafenau ergänzt: „Eine gute Nachricht! Der Nationalpark wird von uns Einheimischen schon jetzt als Geschenk empfunden; Naturerlebnis und Erholung vor der Haustüre! Bei einer Erweiterung wünsche ich den Verantwortlichen eine gute Hand bei der schon jetzt schwierigen Steuerung des (erwünschten) Tourismus.“

Besonders erfreulich ist es, dass auch das Finsterauer Filz als Hochmoor für die Erweiterung in Betracht kommt und damit höchsten Schutzstatus erlangen würde. Damit würde der Hochmoorschutz um eine ökologisch besonders wertvolle Fläche ergänzt – ein langjähriges Anliegen des BUND Naturschutz.

Der BN fordert nun alle Beteiligten auf, diese erfreuliche Diskussion beherzt fortzusetzen und die Erweiterung gut voranzubringen. Die Bevölkerung müsse aber dabei gut eingebunden und informiert werden und Anregungen aufgegriffen werden. So könnte sichergestellt werden, dass sich die allgemeine Akzeptanz dafür entwickelt.

Für Rückfragen: Rita Rott, Regionalreferentin für Niederbayern 089 / 54 830 112 rita.rott@bund-naturschutz.de

Hintergrundinformation: Bund Naturschutz Der BN ist mit fast 250.000 Mitgliedern der größte Natur- und Umweltschutzverband Bayerns. Er setzt sich für unsere Heimat und eine gesunde Zukunft unserer Kinder ein – bayernweit und direkt vor Ort. Und das seit über 100 Jahren. Der BN ist darüber hinaus starker Partner im deutschen und weltweiten Naturschutz. Als Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist der BN Teil des weltweiten Umweltschutz-Netzwerkes Friends of the Earth International. Als starker und finanziell unabhängiger Verband ist der BN in der Lage, seine Umwelt- und Naturschutzpositionen in Gesellschaft und Politik umzusetzen.

Landesfachgeschäftsstelle München Pettenkoferstr. 10a 80336 München Tel. 089/54 82 98‐63 Fax 089/54 82 98‐18 fa@bund‐naturschutz.de www.bund‐naturschutz.de München, 25. Juni 2020 PM 40/20/LFG_München Naturschutz


Wilde Ecken voller Leben: BN Gartentipps für den Spätsommer

Mit der richtigen Pflege kann der heimische Garten zu einem wertvollen Lebensraum für Schmetterlinge, Igel & Co. werden

Geheimnisse eines naturnahen Gartens

Was gibt es zu beachten, wenn der Garten zu einem Naturparadies werden soll? Seien Sie auf jeden Fall toleranter mit „Ungeziefer“. Sie müssen sich nicht wegen ein paar Blattläusen sorgen, denn die nächsten Marienkäfer oder Ohrenkneifer warten schon auf Beute. Außerdem gilt es, den eigenen Ordnungsdrang zu zügeln, Laub auch mal liegen zulassen und Stängel abgeblühter Stauden über den Winter stehen zu lassen.

Seltener und später mähen

Grundsätzlich sollten Hobby- Gärtner*innen besser seltener und später mähen. Wer dem Rasen Zeit zum Wachsen gibt, der fördert Lebensraum für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Nektar- und pollenhaltige Wildkräuter wie Klee, Margeriten, Löwenzahn, Kriechender Günzel oder Ehrenpreis vertragen keinen häufigen Schnitt. Wer häufig mäht, verhindert die Entwicklung dieser für Insekten wertvollen Pflanzen.
Keine Mähroboter einsetzen
Ein absolutes Tabu ist der Einsatz eines Mähroboters. Denn er hält den Rasen dauerhaft kurz, und damit geht er als naturnaher Lebensraum verloren. Entgegen den Hinweisen in den Bedienungsanleitungen werden diese Mähwerkzeuge oftmals auch nachts eingesetzt. Für Haus- und Wildtiere, insbesondere für Igel, kann das tödlich enden. Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich zusammen. Sie werden von den Mährobotern nicht als Hindernis erkannt, werden überrollt und verletzt. Auch Amphibien und Kleingetier wie Spinnen und Insekten überleben diese Prozedur nicht. Passen Sie aber auch auf, wenn Sie andere motorisierte Mähgeräte verwenden, damit Sie keine versteckten Tiere verletzen.

Regenwasser nutzen - Trinkwasser ist zu schade für den Rasen

Ein naturnah gestalteter Garten hält auch eine Hitzeperiode aus. Nach dem nächsten Regen erholen sich die oft widerstandsfähigeren Pflanzen wieder. Aufwändig aufbereitetes Trinkwasser sollte jedenfalls nicht dafür verschwendet werden, Rasenflächen grün zu halten! Fangen Sie nach Möglichkeit das Regenwasser auf, und nutzen es zum Gießen, das schont auch die Wasserrechnung!

Die Tipps kompakt:
•    Keine Insektenvernichter verwenden: In der intakten Natur sorgen Nützlinge wie Marienkäfer, Ohrwürmer und Wespen für das biologische Gleichgewicht.
•    Lassen Sie wilde Ecken zu: Brennnesseln, hohes Gras oder Kräuterinseln, sowie Laub-, Totholz-und Reisighaufen sind Futter für Schmetterlingsraupen und Verstecke für Igel & Co.
•    Stehen lassen für den Winter: Abgeblühte Staudenstängel vor dem Winter nicht abschneiden. In ihnen können kleine Insekten überwintern, die dann gleichzeitig auch Futter für hungrige Singvögel sind.
•    Nur heimische Pflanzen: Exotische Pflanzen bieten unseren Tieren keine Nahrung. Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Sträuchern gibt mehr Tierarten Nahrung und Unterschlupf als eine grüne Wand aus dem Gartenkatalog.
•    Für eine Vogelschutzhecke eignen sich Holunder, Kornelkirsche, Schneeball, Felsenbirne oder Pfaffenhütchen besonders gut. Kirschlorbeer, mit seinen giftigen Beeren, Thuja oder Bambus also ersetzen!
•    Rauf aufs Beet: Der Rasenschnitt kann als Mulch-Material locker auf die Gemüsebeete oder um Beerensträucher gestreut werden. So kommen Wildkräuter nicht hoch und man spart sich das häufige Jäten. Außerdem schützt Mulchen vor dem Austrocknen des Bodens.

Weitere Informationen, wie Sie Ihren Garten zu einem Biotop umwandeln, finden Sie auf der Homepage des BUND Naturschutz unter www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/naturgarten.html
Die Broschüre „Der Wildgarten“ können Sie bei der BN-Service GmbH bestellen unter service.bund-naturschutz.de

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Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, 0911 81 87 8 – 20, oder mobil: 0160 76 14 336
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Unsere Pressemitteilungen finden Sie auch online: www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen

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Ausbeutung von Mensch und Tier stoppen

Skandal bei Tönnies ist Symbol eines menschenunwürdigen und Tierleid erzeugenden Agrarsystems - Branchen-Riesen im Schlachthofbereich sind durch politische Entscheidungen entstanden

BN fordert von der bayerischen Staatsregierung, regionale Metzgerschlachtstätten mit Investitionsprogrammen zu unterstützen und von den großen Lebensmittelketten, endlich faire Erzeugerpreise zu zahlen. Mit einer mengenbezogenen und sozial flankierten Tierschutzabgabe soll der Umbau zu einer tiergerechteren Haltung in Deutschland vorangebracht werden.

„Die Konzentration im Schlachtbereich ist von der bayerischen Staatsregierung und den ehemaligen CSU Landwirtschaftsministern billigend in Kauf genommen worden. Statt jetzt Verbraucher*innen-Bashing zu betreiben, muss die Macht der Handelsketten und der industrialisierten Fleischwirtschaft gebrochen werden. Geltendes Recht, wie das Verbot von Verkauf unter Einstandspreis muss jetzt durchgesetzt werden“, so Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern

Ausbeutung von Mensch und Tier stoppen

„Die Ausbeutung hat System: Dass Tiere nicht ihr arteigenes Verhalten ausleben können, ist vielfach angeprangert worden, jetzt kommt die Ausbeutung der Arbeitenden in den Fleischfabriken endlich auch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit“, so Mergner, „es ist höchste Zeit, dieses System zu ändern in dem Menschen unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten. Es müssen nicht nur faire Löhne für die Arbeitenden in den Schlachtbetrieben gezahlt werden, sondern auch die Akkordarbeit gestoppt und Hygienevorgaben in den Unterkünften eingehalten werden. Und die Erzeugerpreise für Landwirte müssen steigen, wenn höhere Tierwohlvorgaben umgesetzt werden sollen.

Haltungskennzeichnung für Fleisch längst überfällig

„Verbraucher*innen müssen endlich auch am Etikett erkennen können, wie die Tiere gehalten werden, damit sie eine bewusste Kaufentscheidung treffen können“, so Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin. „Bisher gibt es wegen des Widerstands aus der Branche noch keine verbindliche Haltungskennzeichnung bei Fleisch, so wie es in der EU beispielsweise bei Eiern umgesetzt wurde. Durch die Einführung bei Eiern haben die europäischen Verbraucher*innen Käfigeier durch ihr Einkaufsverhalten zurückgedrängt. Eine transparente Kennzeichnung muss endlich auch Bereich des Fleischs vorangebracht werden“, so Ruppaner.

Tierhaltungssystem umbauen

Um die Tierhaltung tiergerechter zu machen braucht es strukturelle Veränderungen. Der BN fordert, dass die Vorschläge des vom Bundeslandwirtschaftsministerium eingerichteten Kompetenznetzwerks zum Umbau der Nutztierhaltung vom 11. Februar 2020 baldmöglichst aufgegriffen, diskutiert und umgesetzt werden. Mit der dort vorgeschlagenen mengenbezogenen Tierwohlabgabe, könnten Bäuerinnen und Bauern beim Umbau zu tiergerechteren Ställen und dem dann folgenden Arbeitsmehraufwand unterstützt werden.

Das Kompetenznetzwerk geht von Kosten von 1,2 bis 3,6 Mrd. Euro pro Jahr bis 2040 aus, für die Finanzmittel bereitgestellt werden müssen.

Hierfür wird eine mengenbezogene Abgabe von 40 Cent pro kg Fleisch und Fleischverarbeitungsprodukten, 2 Cent pro kg Milch und Frischmilchprodukten sowie Eiern und 15 Cent pro kg Käse, Butter und Milchpulver vorgeschlagen. Es ergäben sich hieraus Steuereinnahmen etwa in Höhe des oben genannten Finanzierungsbedarfs von 3,6 Mrd. Euro.

Das Sterben der Schlachtstätten ist hausgemacht - Studie von Euronatur aus 2009.

Die Konzentration im Schlachtbereich kommt nicht von ungefähr.

2004 traten neue EU- Hygieneverordnungen in Kraft, die auch kleine Metzgerschlachtstätten bis 2009 umsetzen mussten. Von den 2009 noch ca. 2000 handwerklichen Schlachtbetrieben blieben schon damals über die Hälfte auf der Strecke. BUND Naturschutz und Euronatur hatten damals vor überzogene Auflagen gewarnt, die gerade kleine Metzgerbetriebe nicht mehr schultern konnten.

Für Rückfragen:

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Hintergrund zu euroNATUR Studie von 2009:

Die deutschen und besonders die bayerischen Zulassungsbehörden waren bei der Umsetzung der neuen EU-Hygieneverordnungen teilweise weit über das Ziel hinausgeschossen und hatten dadurch die handwerklichen Metzgereibetriebe, die noch selbst schlachten, in Bedrängnis gebracht.

Eine Studie, die die Naturschutzstiftung EuroNatur in Kooperation mit dem NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung 2008 und 2009 durchgeführt hatte, zeigte, dass die bayerischen Behörden die EU Hygieneverordnung besonders restriktiv ausgelegt hatten und damit für eine zu erwartende Welle von Schließungen verantwortlich waren.

So wurden in Bayern grundsätzlich keine sogenannten „Einraumbetriebe“ genehmigt und selbst Zweiraumbetriebe hatten hier große Probleme. Österreich nutzte die EU-Vorschriften, um die kleinen Fleischereien bewusst zu fördern. Trotz der teilweise schärferen Auflagen, die Bayern auferlegte, gaben die meisten in der Studie befragten Veterinäre an, dass dadurch für die Verbraucher kein höherer Nutzen im Sinne der Hygiene entstanden sei.

Schon 2009 warnte der BN, dass durch eine Reduzierung von regionalen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen, kurze Wege für die Tiertransporte und die Vielfalt der Fleisch- und Wurstwaren wegfallen würden und die Gewinner große Schlachtunternehmen wären, die dann noch mehr den Markt beherrschen würden.

Die ausführliche Studie kann eingesehen werden unter https://www.euronatur.org/fileadmin/migration/uploads/media/Endbericht_Hygieneprojekt_EuroNatur.pdf


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Trockenheit zunehmendes Problem für die Landwirtschaft

BUND Naturschutz und Bauern fordern am Klimaaktionstag zur Verhinderung der Klimakrise ebenso entschiedenes politisches Handeln wie bei der Covid-19-Pandemie

Mit der sich abzeichnenden Frühjahrstrockenheit - die Dritte in den letzten drei Jahren - zeigt sich, dass die Landwirtschaft schon jetzt hauptbetroffen von der Klimakrise ist.Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für das gesamte Jahr 2020 in allen deutschen Regionen um 1,0 - 1,5 Grad höhere Temperaturen als im Mittel des 30-jährigen Bezugszeitraums 1981 - 2010. In dieser Situation fordern BUND Naturschutz und Bauern von Staatsregierung und Landtagspolitik entschiedenes Handeln für den Klimaschutz.

„Bayern muss Vorreiter einer konsequenten Klimaschutzpolitik werden“, so Richard Mergner, BN Landesvorsitzender. „Die neue Förderperiode der EU Agrarpolitik muss jetzt genutzt werden, um eine klima-, boden- und wasserschützende Landbewirtschaftung voranzubringen, statt Milliarden Euro nur nach Flächenbesitz zu verteilen. Ministerpräsident Markus Söder und Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stehen in der Pflicht, sich bei der nächsten Agrarministerkonferenz Anfang Mai für eine nachhaltige und klimaschützende Ausgestaltung der EU Agrarzahlungen stark zu machen. In einem bayerischen Klimaschutzgesetz müssen jetzt auch endlich verbindliche Ziele für die Minderung der Treibhausgasemissionen festgelegt werden. Nur dann wird es gelingen, die Erderwärmung, wie auf der Pariser Klimakonferenz beschlossen, auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um eine Reduktion der Treibhausgase, wie Kohlendioxid, um 50 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erreichen, müssen die dreckigsten Kohlekraftwerke sofort stillgelegt werden und Prioritäten für Energiesparen und Energieeffizienz auf allen Ebenen gesetzlich festgeschrieben werden“, so Mergner.

Wir brauchen Investitionen in eine grüne statt eine graue Infrastruktur“, ergänzt Martin Geilhufe, BN Landesbauftragter. „Geplante Milliardenausgaben für Straßen- und den Flughafenbau müssen umgewidmet werden in Förderprogramme zur Energieeinsparung, den Ausbau erneuerbaren Energien und die Förderung des ökologischen Landbaus“, so Geilhufe.

Wasser wird kostbarer

Bei den Klimaprojektionen ergibt sich, dass die Trockenheit in Bayern zunimmt, je weiter man nach Nordosten kommt. Für das Fünf-Jahresmittel 2025-2029 werden im westlichen und östlichen Teil Deutschlands um 1,5 - 2,0 Grad höhere Temperaturen vorhergesagt https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/aktuelle_meldungen/200319/klimavhs.html

Beispiel Unterfranken

Hotspot des Klimawandels: der Norden Bayerns, kaum mehr als 500 Liter Niederschläge pro Quadratmeter jährlich, schlecht verteilt, immer öfter als Starkniederschlagsereignisse, die der Boden kaum in der Lage ist aufzunehmen. Das dritte Jahr in Folge, in dem Frühjahrstrockenheit die Kulturen nicht wachsen und Neuansaat nicht keimen lässt. Trockenheit wird Verzweiflung stiftende Normalität - für alle Bäuerinnen und Bauern.

Matthias Klöffel, Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes im Landkreis Rhön Grabfeld: „Die Natur nimmt uns jede Illusion. Als Bodenbewirtschafter in Wald und Flur sehen wir eine Katastrophe auf uns zu kommen. Was es braucht: den engagierten Kampf für den Klimaschutz - und neue und innovative Konzepte für unsere Landwirtschaft, um auch zukünftig ökonomisch und ökologisch nachhaltig Landwirtschaft betreiben zu können: für unseren Landkreis und alle Regionen, die trocken fallen.“

BBV-BN Projekt

Mit dem Projekt „Blühkulturen statt Mais“ hat der BBV gemeinsam mit dem BUND Naturschutz bereits 2019 ein Projekt gestartet, das neben dem Klimaschutz auch der Artenvielfalt dient. Auf über 100 ha wurden artenreiche Dauerkulturen angelegt, die frühestens Ende Juli für die Biogasnutzung beerntet werden. Es bleibt eine dauerhafte Bodenbedeckung stehen, die der Austrocknung des Bodens vorbeugt, die Winterniederschläge nutzen kann und gleichzeitig Überwinterungsraum für viele Insekten, insbesondere Wildbienen liefert. Gleichzeitig wird der lokale Wasserabfluss durch Verbesserung der Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens verhindert und die Wasserverdunstung reduziert. „Die tiefwurzelnden Mischungspflanzen sichern den am Projekt beteiligten Landwirten einen relativ witterungsunabhängigen Ertrag. Für diese Kultur, die Veitshöchheimer Hanfmischung, bräuchten wir eine Sonderförderung im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm, denn wir sichern damit Artenvielfalt und ergänzen den Maisanbau für Biogasanlagen sinnvoll“, so Klöffel.

Ökolandbau als Humusspeicher

„Das Umsteuern in der Landwirtschaft muss jetzt beginnen, da es mehrere Jahrzehnte dauern wird, bis ausreichend Humus in den Böden aufgebaut sein wird“, erläutert Sepp Braun, Biobauer aus Freising, der auf seinem Hof ein nachhaltiges Kohlenstoffspeichersystem im Boden verwirklicht. „Der ökologische Landbau zeigt den Weg zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft bereits auf. Durch den Verzicht auf mit hohem Energieeinsatz produzierte mineralische Düngemittel, eine flächengebundene Tierhaltung und die Speicherung von Kohlenstoff im Boden durch Humusaufbau, leistet er einen positiven Beitrag zum Schutz vor der Erderwärmung“, so Braun.
 

Für Rückfragen:

Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, 0911 81 87 8 – 20,
oder mobil: 0160 76 14 336, marion.ruppaner@bund-naturschutz.de

Hintergrund

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/das_monitoringbericht_2019_barrierefrei.pdf

siehe dort Seite 83f, S.87 f

Bodenwasserversorgung

Wie das Monitoring des Umweltbundesamtes von 2019 zeigt, „haben die Bodenwasservorräte in landwirtschaftlich genutzten in den letzten knapp 50 Jahren während der Vegetationsperiode mit signifikantem Trend abgenommen.

Humus stärkt Widerstandskraft der Böden

…Humus ist wichtiges Speichermedium für Nährstoffe und Wasser. Er sorgt für ein günstiges Bodengefüge, was den Luft-und Wasserhaushalt des Bodens positiv beeinflusst. Außerdem reduziert Humus die sommerliche Austrocknung, fördert die Aktivität der Bodenorganismen und die Entwicklung einer stabilen Bodenstruktur. Letztere schützt wirksam vor Bodenverdichtungen und Bodenerosion…….“.

…„Die Gehalte an organischer Substanz in Böden werden im Wesentlichen von den standorttypischen Gegebenheiten (Bodenart, Grundwasserstufen etc.) bestimmt und lassen sich daher nicht pauschal durch Zugabe von organischen Materialien erhöhen. Wirksame Steuerungsinstrumente sind hingegen veränderte Nutzungspraktiken. Auf landwirtschaftlichen Böden dienen beispielsweise Grünlandnutzung, Stallmistwirtschaft, Zwischenfruchtanbau oder das Belassen von Ernte- und Wurzelrückständen der Pflege und Akkumulation von Humus. Viele Trends, die sich derzeit mit der Intensivierung der Landwirtschaft vollziehen, laufen der Stabilisierung oder gar Mehrung der Humusgehalte allerdings entgegen.“