Ortsgruppenvorstand

1. Vorsitzende: Dipl. Ing. Heide Schmidt-Schuh, Tel.: 08072-372330

stellvertretende Vorsitzende: Rosmarie Pointner

Schatzmeisterin: Eva Thanner

Ortsgruppe Haag hat neu gewählt

v.li.: Rosmarie Pointner, Heide Schmidt-Schuh, Eva Thanner

Keine Überraschung brachten die Wahlen zum Ortsgruppenvorstand. Heide Schmidt-Schuh wurde als erste Vorsitzende ebenso in ihrem Amt bestätigt wie Rosmarie Pointner als Stellvertretrerin und Eva Thanner als Kassiererin.

Zuvor hatte Christine Herfort von der Unteren Naturschutzbehörde in Mühldorf in einem lebendigen Fachvortrag über eine der erfolgreichsten Naturschutzmaßnahmen des Landratsamtes berichtet. Über drei Jahre lief das Projekt ”Blühendes Inntal” an dem sich viele Grundbesitzer, Kommunen und auch die Verbund AG (Innkanal) beteiligten.

Danach berichtete Heide Schmidt-Schuh über die vielfältigen Aktivitäten der Ortsgruppe wie Veranstaltungen zur Energiewende, Arbeiten am Toteiskesselweg oder der Begleitung der Sanierungsarbeiten am Schlossturm, damit die dort lebenden Tiere nicht zu sehr durch die Bauarbeiten beeinträchtigt werden. Die Finanzlage ist nicht üppig, wie Eva Thanner berichtete, die Kassenführung in Ordnung, so dass der Vorstand entlastet werden konnte.

Krötenzaun bei Brand

Seit Jahren waren uns die vielen überfahrenen Kröten auf der Straße zwischen Haag und Brand ein Dorn im Auge. Die massive Krötenwanderung setzte ein, nachdem die neuen Besitzer eines Anwesens an der  vielbefahrenen Straße im Wald eine Senke ausgehoben haben, sodass ein großer Weiher entstand. Da hier auch mit relativ hoher Geschwindigkeit gefahren wird, konnte man weder für den Aufbau eines Krötenzauns noch für das Sammeln Schulkinder einsetzen. So versuchte man in den ersten Jahren zunächst mittels eines Zaunes die Kröten zum Umkehren zu zwingen. Doch die Tiere ließen sich nicht abhalten und nahmen große Umwege in Kauf um zum Laichgewässer zu gelangen. So wurde 2017 der Zaun von der Jagusgruppe errichtet und von mehreren freiwilligen Helfern betreut. Insgesamt war der Zaun ein voller Erfolg. Es konnten 1307 Kröten, davon 405 Weibchen sowie 10 Grasfrösche und 39 Molche vor dem Verkehrstod bewahrt werden.

Naturkundliche Wanderung am Nasenbach

Zwar waren die ersten Frühlingsblüher durch das warme Frühjahr schon verblüht, doch durch sein fundiertes Wissen konnte Stefan Gey zu allen Pflanzen am Wegrand spannende Geschichten erzählen. So z.B. dass sich Löwenzahn hauptsächlich durch vegetative Vermehrung und nicht durch Samen ausbreitet und dass es dadurch sehr viele Arten gibt, bekannt sind ca. 800. Die Schuppenwurz ist eine Schmarotzerpflanze und hat deshalb keine grünen Blätter, da sie kein Chlorophyll zur Photosyntese für die Nahrungsaufnahme benötigt. Als Wirt dienen ihr die Wurzeln von bevorzugt von Haseln, Erlen, Pappeln, Weiden und Buchen.

Besuch beim Bioland Gärtnerhof Hederer

Kaum jemand wird heutzutage glauben, dass eine vierköpfige Familie von den Erträgen von 4 ha Land leben kann, so Heide Schmidt-Schuh bei der Begrüßung der Teilnehmer an der Hofbesichtigung, zu der der Bund Naturschutz eingeladen hatte. Dass dies möglich ist, hat Josef Hederer den Teilnehmern bei der Führung durch seinen Gärtnerhof gezeigt. Das Ehepaar Hederer bedient zwei Märkte mit eigenen Produkten, den Haager Bauernmarkt und einen Stand am Lehel in München. Dort bietet Elizabeth Hederer vegane Kost an, die sie vor Ort kocht.

In den 3 Gewächshäusern werden Gurken, verschiedene Bohnensorten, Tomaten und Paprika angebaut. Die Gewächshäuser  werden nicht beheizt, vielmehr haben sie eine doppelte Haut, die die Wärme im Innern hält. Lediglich ein kleiner Lüfter sorgt für das Luftpolster zwischen den Folien. Die Bewässerung der Pflanzen erfolgt von oben über Düsen. Gespeist werden die Anlagen von einer Zisterne mit Regenwasser. Bei den Tomaten werden die Pflanzen durch Schläuche direkt über dem Boden bewässert. Diese Technik stammt aus Israel, wo sie für die Bewässerung von Wüstenboden entwickelt wurde, um die Verdunstung des Wassers zu minimieren.

Die Fruchtfolge der Felder besteht aus 4 Jahre Kleegras abwechselnd mit 2 Jahren Gemüseanbau. Josef Hederer ist froh über 25 sorgenfreie Jahre bezüglich der Nährstoffversorgung, da die Böden genügend Zeit haben, sich zu regenerieren. Gesunde Böden mit einem intakten Bodenleben sind der beste Garant für ein gutes Pflanzenwachstum.

 Bei einer Fragerunde zum Abschluss mit Baguettes und selbstgemachter Kräuterbutter, berichtet Josef Hederer, dass sogar in diesem regenreichen Sommer die Schnecken erstaunlich wenig Schaden angerichtet haben.

Waldspaziergang mit Förster

Trotz regnerischem Wetter hatten sich viele Interessierte zum Waldspaziergang mit dem Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten Walter Zwirglmaier eingefunden.

Er erläuterte die Strategie der Staatsforsten, die einerseits dazu verpflichtet sind, rentabel zu arbeiten und andererseits auch die Belange des Naturschutzes zu beachten. Dabei kommt ihnen der derzeitige gute Holzpreis entgegen.

Man will durch sukzessiven Umbau des Fichtenwaldes einen Mischwald erreichen mit Tannen und Laubgehölzen, deren Auswahl sich an den Bodengegebenheiten orientiert. Dafür werden einzelne Bäume und ihre Nachbarn zur Fällung ausgewählt. Die Fällungen erfolgen zwar aus Rentabilitätsgründen mit Harvestern, doch versucht man den Flurschaden zu begrenzen, indem man möglichst wenige Schneisen benutzt und von dort aus, die Bäume einzeln aus dem Wald heraus zieht.

Die Naturschützer freute besonders, dass nicht nur Bäume zur Fällung ausgesucht werden sondern auch Baumriesen mit Hohlräumen, die erhalten werden sollen. Diese alten Bäume verwittern mit der Zeit. Sie bieten bis zu ihrem endgültigen Zerfall vielen Vögeln und Kleintieren Nistmöglichkeiten. Deshalb sollen sie auf Dauer geschont werden.

Bei den Toteiskesseln wird durch Auslichtung dafür gesorgt, dass genügend Lichteinfall den unterschiedlichsten Arten Lebensraum bietet. Die Wiesen werden nur 1 bis 2mal im Jahr gemäht. Dadurch wird zum einen eine Verbuschung verhindert und zum anderen dafür gesorgt, dass die Wiesenblumen noch aussamen können.

Die Teilnehmer an dem Spaziergang wurden nicht nur mit vielen interessanten Informationen versorgt sondern gegen Ende auch mit einem blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein belohnt.

Empfehlung für den Frühlingsspaziergang

Der Toteiskesselweg ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Besonders im Frühjahr kann man hier immer wieder Schönes entdecken. Mehr dazu finden Sie hier:

Nach 364 Jahren Abschied von Linde

So titelte die Wasserburger Zeitung am 3./4. November 2012.

Immer wieder hatte sich die Ortsgruppe Haag des Bund Naturschutz vehement für den Erhalt der "Liebeslinde" am Hofgarten eingesetzt.  Immer wieder wurde sie beschnitten, damit herabfallende Äste niemanden verletzen konnten. Im letzten Sommer hatte ihr ein Sturm den letzten Todesstoß versetzt: Die äußere Schicht des Stammes war abgefallen und nun ist dieses wunderbare Baumungetüm endgültig gefällt worden.

Die Haager pflanzten angeblich den Baum einst in Erinnerung an eine Romanze, die in den 80er-Jahren des 16. Jahrhunderts ihren Ausgang nahm. Herzog Ferdinand war als Wittelsbacher nicht nur Landesherr in Bayern, sondern auch Graf von Haag. Ausgerechnet er sollte sich in eine bürgerliche Haagerin verlieben: Maria Pettenbeck, die Tochter des Landrichters und "Kastners".

So schön sie ist, diese Legende scheint leider nicht zu stimmen. Auch ob sie nach dem 30-jährigen Krieg als Friedensbaum gepflanzt wurde, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Immerhin ist sie so alt geworden, dass ihr Alter nicht mehr zu bestimmen ist - auch nicht anhand der Jahresringe, da sie ja völlig hohl war.Archiv

Die Wasserburger Zeitung zur Liebeslinde

Die Entzauberung der Liebslinde

Der Abschied von der Linde

 

Besuch beim Biobauern Sepp und Irmi Heindl

Kälber füttern und streicheln, sich im Heu wälzen und rumtoben – etwa 15 Kinder hatten bei der Hofbesichtigung viel Spaß. Josef Heindl nahm es mit Gelassenheit, und zeigte den 40 Interessierten, die der Einladung der Kreisgruppe Mühldorf des Bund Naturschutz gefolgt waren, den ganzen Hof. So erfuhr man über den Naturland Hof, dass über 100 Tiere gleichzeitig dort leben, davon sind gut 50 Kühe, der Rest besteht aus der hofeigenen weiblichen Nachzucht. Die Tiere werden im Laufstall gehalten wobei ihnen auch Auslauf im Freien gewährt wird. Die Liegeflächen sind mit Gummimatten ausgelegt die 2 mal Täglich gereinigt und mit Strohmehl eingestreut werden.

Sepp Heindl bewirtschaftet 56 ha Land, das zur gut zur Hälfte aus Grünland und zum anderen Teil aus Ackerfläche besteht. Er produziert fast das gesamte Futter für die Tiere auf dem eigenen Hof.

Bei herrlichem Herbstwetter erfuhr die Gruppe draußen, wie das Ackerland mit einer 5-Felder-Wirtschaft genutzt wird. So werden im Wechsel Silomais, Winterweizen, Ackerbohnen, sowwie Triticale (Kreuzung zwischen Weizen und Roggen) angebaut. Durch den Wechsel wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Pestizid- und Fungizideinsatz sowie der Einsatz von Mineraldüngern ist bei Biohöfen generell verboten. Ebenso ist der Einsatz von Antibiotica bei den Tieren verboten. Deshalb werden kranke Tiere in erster Linie mit Globulis behandelt – aber manchmal geht es auch hier nicht ohne den Tierarzt!. Zum Glück kommt es nur selten vor, dass die Kühe krank werden.

Anschließend an die Hofbesichtigung ging die Gruppe unter Leitung des Försters Gerd Eisgruber in den nahen Wald. Dort zeigte er sehr anschaulich, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit sich der Wald naturnah entwickelt. Letztlich sind 3 Ziele zu verfolgen:

-       Möglichst viele verschiedene Baumarten

-       möglichst viele Tiefwurzler, wie z.B. die Tanne

-       möglichst viele unterschiedliche Altersstufen

Wenn ein Wald diesen Vorstellungen entspricht, wird der widerstandsfähiger gegen länger anhaltende Trockenheitsperioden und gegen Stürme, wie sie der Klimawandel mit sich bringt.

Die Kinder beteiligten sich mit Feuereifer daran zu erraten, von welchen Bäumen welches Blatt stammt und wie man das Alter der Weißtannentriebe bestimmt. Dass einige Kinder auch noch einen Frosch fanden und in die Hand nehmen konnten, machte die Begeisterung perfekt.

Zum Abschluss gab es noch von Herrn Heindl gestifteten Apfelsaft, der Bund Naturschutz sorgte für die Kirchweihkrapfen dazu.

Herbstwanderung am Toteiskesselweg im Haager Land

„Es macht Spaß mit so vielen naturinteressierten Leuten entlang des Toteiskesselweges zu wandern“, sagte die Diplomgeografin Lucia Karrer, die am Sonntag den 21.10.2012 bei herrlichem Herbstwetter eine Gruppe Wanderer vom Grandl`s Hofcafé  zu den Toteiskesseln bei Maxau führte.

Die Wanderung des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Mühldorf und Ortsgruppe Haag, war wieder sehr gut besucht. Zu Beginn der dreistündigen Tour bekamen die Teilnehmer einen Einblick zur Landschaftsentstehung durch den Inngletscher, wie dieser die Landschaft um Haag vor allem durch seine  Moränenwälle gestaltete.

Nach ca. 20 min. erreichten die Wanderer im Wald bei Maxau die ersten Toteiskessel.

Im oberbayerischen Volksmund werden diese kleinen Weiher, feuchte Mulden oder Wannen auch  „Moos“ (z.B. Todenmoos bei Hörwart) oder „Mösel“ genannt. Sie entstanden während der Würmeiszeit vor ca. 18 000 Jahren.

Die Vegetation in den Löchern ist von Feuchtpflanzen (z.B. verschiedenen Seggenarten) geprägt, darunter finden sich auch eine ganze Reihe gefährdeter Arten. Besonders interessant fanden die Teilnehmer die im Übergangsmoor vorherrschende Pflanze, das Torfmoos. Sie besitzt keine Wurzeln und nimmt  deshalb das Wasser über das „Pflanzenköpfchen“ von oben auf. Der Pflanzenteil, der sich unter Wasser befindet stirbt unter Luftabschluss ab und vertorft. So besteht diese Pflanze aus einem oberen lebendigen und einen unteren toten Teil. Torfmoose haben die großen Hochmoore im Alpenvorland aufgebaut.

Nach dem Besuch eines sehr idyllisch gelegenen Kessels mit offener Wasserfläche ging es zu einer lang gezogenen Senke mit einem „Erlenbruchwald“, in dem sich die Schwarzerle behauptet. Das Holz der Erle ist gegen Fäulnis unter Wasser sehr resistent. Halb Venedig ist auf Erlenpfählen gebaut, sagte Lucia Karrer und bedankte sich zum Abschluss der Wanderung und zur Belustigung der Teilnehmer, mit Gletschereisbonbons.

Rezeptwettbewerb „Kochen fürs Klima“ beendet

Teilnehmerinnen erhalten „Klimakochbuch“

Bauernmarkt, der Haager Bund Naturschutz und die Agenda21 – Haager Land hatten im Frühjahr gemeinsam zu einem Rezeptwettbewerb „Kochen fürs Klima“ aufgerufen.

Der Grund für den Wettbewerb war, dass etwa 1/5tel unserer Treibhausgasemissionen von unserer Ernährung herrühren. Damit ist es durchaus interessant, unsere Ernährungsgewohnheiten unter die Lupe zu nehmen. Die Ursachen für diese Treibhausgasemissionen kommen von vielen Quellen: Von der Art, wie die Produkte gewonnen werden, über deren Verarbeitung und den Transport bis hin zur Lagerung und zur Zubereitung im Haushalt.

Eine Faustregel besagt: Weniger Fleisch und andere tierische Produkte, vorwiegend saisonale Produkte, vorwiegend regionale Produkte aus der näheren Umgebung und nach Möglichkeit aus ökologischem Anbau. Weiterhin: möglichst viel Frischkost und wenig Fertigprodukte.

Alles dies kommt nicht nur den umliegenden Landwirten zugute, die beim Bauernmarkt ihre Produkte verkaufen, sondern auch der eigenen Gesundheit – und natürlich dem Klima. Denn durch alle diese Maßnahmen gelangt weniger Kohlendioxyd in die Atmosphäre.

Als Dank für die eingereichten Rezepte wurden Maria Linner, Renate Manzinger und  Kerstin Bergmann ein „Klimakochbuch“ von Vertretern der drei Vereine überreicht.

Ersatzpflanzung für ein Naturdenkmal: Eiche bei Brand

An der Straße zwischen Haag Rosenberg und Brandstätt stand eine wunderschöne alte Eiche, die als Naturdenkmal ausgezeichnet war. Die Familie, auf deren Grundstück sie stand, berichtet, dass sie als Kinder in ihrem Schatten nach der Feldarbeit Brotzeit gemacht haben. Doch diese Eiche war offensichtlich alt und brüchig, sodass das Landratsamt sie aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht fällen ließ. Die Ortsgruppe Haag des Bund Naturschutz fand, dass an dieser Stelle unbedingt wieder ein Baum stehen sollte. Und da das Landratsamt leider keine Ersatzpflanzung vorgesehen hatte, so nahmen es die Naturschützer selber in die Hand. Freilich ist die frisch gepflanzte Eiche nicht annähernd ein ebenbürtiger Ersatz für die gefällte. Dafür wird sie wohl noch mehrere 100 Jahre wachsen müssen.

Ein alter, zerklüfteter Baum bietet Lebensraum für viele Tiere. In der Krone nisten unterschiedlichste Vogelarten, in den Asthöhlen kann man Fledermäuse und Eulen finden, Spechte suchen unter der Rinde nach Insekten, Eichhörnchen ernten die Eicheln und vergraben sie für den Winter. Kurz: Ein alter Baum bietet nicht nur einen wundervollen Anblick und spendet Schatten für Mensch und Tier, er bindet auch viel Kohlendioxyd und wirkt damit dem Klimawandel entgegen. Auch zur Biodiversität liefern Bäume – insbesondere alte Bäume -  einen wichtigen Beitrag.

 

Mit Rad und Bahn zu Wasser und Wind

Petrus hat es sehr gut gemeint mit den Naturschützern aus Haag, Rechtmehring, Wasserburg und Mühldorf. Bei traumhaftem Herbstwetter konnten die teils sehr steile Wegstrecke mit den Rädern bezwungen werden.

 Zunächst ging es vom Soyener See zum Wasserkraftwerk bei Vorderleiten, über das der technische Betriebsleiter der Kraftwerke Haag, Herr Georg Schatz, die Gruppe informierte. Es wurde 1923 in Betrieb genommen und legte seinerzeit den Grundstein zu den Kraftwerken Haag. Ein unterirdischer Stollen führt vom Soyener See zum Innufer bei Vorderleiten. Dort fällt das Wasser durch ein Rohr mit einem Durchmesser von 1,80 m ca. 45 Meter hinunter und treibt in einem Maschinenhaus 3 Turbinen mit jeweils einem Generator an. Die Teilnehmer konnten sich überzeugen, dass die ursprünglichen Maschinen von 1923 auch heute noch gute Dienste leisten. Allerdings wurde der seinerzeitige „Handbetrieb“ durch eine elektronische Steuerung mit Fernüberwachung ersetzt. Der Strom wird zu Spitzenverbrauchszeiten am späten Vormittag und gegen Abend in das Mittelspannungsnetz mit 20 KV Leistung eingespeist.

 Nach einer ausgiebigen Brotzeit im Seecafé in Soyen ging es mit dem Zug über die Königswarter Brücke auf die andere Innseite nach Gars-Bahnhof. Auf diesem Teil der Bahnstrecke, die seinerzeit stillgelegt war, war 1986 nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl der „Molkezug“ abgestellt. Die Gruppe war sich einig, dass die Abkehr von der Atomkraft hin zu erneuerbaren Energien der einzig richtige Weg ist.

Die Wegstrecke von Gars-Bahnhof nach Garting bei Schnaitsee über die Steilhänge am Rande des Inntals war eine große Herausforderung an die Kondition der Teilnehmer. So waren alle froh, als man oben angekommen von Herrn Alois Dirnaichner, dem Vorsitzenden des Bund Naturschutz Schnaitsee, bei einem der beiden dortigen Windräder freundlich begrüßt wurde.

 1996 wurde das erste der beiden Windräder als Bürgerwindrad in Betrieb genommen. Zunächst mussten neben der technischen Projektierung auch die Gelder für das seinerzeit noch sehr ungewöhnliche Vorhaben gesammelt werden. 1000 DM war der Mindestbeitrag für das erste Windrad, bei dem letztlich nur ein fünftel über Bankdarlehen finanziert werden musste. Beim zweiten Windrad, war die Suche nach Geldgebern schon sehr einfach, da auch die Zweifler gesehen hatten, dass die Gruppe fähig war, Technik und Projektierung zu meistern. Eine der Hauptschwierigkeiten bei Windrädern an Land sei, so Dirnaichner, dass der Wind nicht gleichmäßig wie am Meer wehe, sondern in Böen. Das zieht dann eine starke Beanspruchung der Lager und der Flügel nach sich. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die beiden Windräder noch etliche Jahre ohne große Störung laufen werden. Um die Haltbarkeit zu erhöhen, laufen sie nicht auf voller Leistung, sondern in 2 Getriebestufen – je nach Windstärke bis 200 kW bei der ersten und bis zu 600 kW  bei der zweiten Stufe. Gewonnen wird der Strom als Gleichstrom, der dann über einen Wechselrichter bei der nahe gelegenen Übergabestation ins normale Haushaltsnetz eingespeist wird.

 Einhellige Meinung der Teilnehmer: Es war zwar anstrengend, doch hat sich der Ausflug nicht nur gelohnt sondern auch viel Spaß gemacht. Obendrein erfuhr man äußerst Interessantes zum Wasserkraftwerk bei Vorderleiten und zum Windpark Garting bei Schnaitsee.

Vortrag zu Atomausstieg und Energiewende

In ihrem Vortrag ging Heide Schmidt-Schuh auf etliche Studien ein, die vom Bundesumweltministerium beauftragt wurden, noch auf dem Rot-Grünen Atomausstieg basierten und im Herbst 2010 vorlagen, bevor die Laufzeitverlängerung von der Bundesregierung beschlossen wurde. 

Aus diesen Studien geht hervor, dass eine 100%ige Stromversorgung bis spätestens 2050 mit erneuerbaren Energieen möglich ist.

Neuere Studien von diesem Frühjahr, die den Positionen der Umweltverbände BUND, WWF und Greenpeace zugrunde liegen, besagen, dass ein Atomausstieg bis zum Jahr 2015 möglich ist. Die Bedingungen die der Ethikrat formuliert hatte, nämlich die Gewährleistung von Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Einhalten der Klimaschutzziele wurden bei allen Studien berücksichtigt.

Download des Vortrags

Wanderung auf dem Toteiskesselweg

Vielfältiges Leben in den "Möseln"

Bund Naturschutz auf dem Toteiskesselwanderweg unterwegs

Bei herrlichem Wanderwetter mache sich die Gruppe vom Hofcaé bei Haag zu den Toteiskesseln bei Maxau auf. Die Wanderung wurde von der Geografin Lucia Karrer geleitet. Sie berichtete am Ausgangspunkt vom einstigen Inngletscher und wie er die Landschaft um Haag gestaltete.

Der 20minütige Anmarsch wurde von Naturerfahrungsspielen unterbrochen und gestaltete sich daher sehr kurzweilig. Anschulich erklärte Lucia Karrer den Teilnehmern bei den ersten im Wald gekegenen kleinen Kesseln die Entstehung der "Mösel" und ging auf die verschiedenen Pflanzengesellschaften ein. Auch verdeutlichte sie die Unterschiede zwischen den bekannten Süßgräsern unserer Wiesen und den häufig in den Kesseln wachsenden Sauergräsern, den Seggen. Eine besondere Augenweide war das Übergangsmoor mit seinen blühenden Wollgräsern, Wie lauter kleine weiße attebauschen, die über dem Moor hängen, sehen die Blüten des Moorwollgrases aus. Der Bestand war aufgrund der im Februar durchgeführten Pflegemaßnahmen besonders gut zu sehen. Besonders interessant fanden die Teilnehmer die im Übergangsmoor vorherrschende Pflanzenart, das Torfmoos. Torfmoose haben die großen Hochmoore im Alpenvorland aufgebaut und führen auh in den Toteiskesseln auf lange Sicht zur Entstehung von Mooren. Nach dem Besuch eines sehr idyllisch gelgenen Kessels mit noch offener Wasserfläche und Unterwasser- und Schwimmblattvegetation ging es zu einer lang gezogenen Senke mit einem Erlenbruchwald. Auch diese Pflanzengesellschaft ist im Landkreis Mühldorf selten georden. Der vorherrschende Baum, die Schwarzerle, erträgt Staunässe und extreme Bodenverhältnisse und kann sich so gegenüber anderen Gehölzene durchsetzen.

Hier finden Sie Näheres zum Toteiskesselweg mit einem Faltblatt und weiteren Informationen

Neuwahlen bei OG Haag 2011

v. li.: Walter Tiefel, Beisitzer, Rosa Marie Pointner, 2. Vorsitzende, Dipl. Ing. Heide Schmidt-Schuh, 1. Vorsitzende, Judith Harrison, Beisitzerin.

 Neuer Vorstand beim Bund Naturschutz Haag

Bei der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Haag des Bund Naturschutz wurde der Vorstand neu gewählt. Heide Schmidt-Schuh und Rosa Marie Pointner wurden als erste und zweite Vorsitzende und Evi Thanner als Schatzmeisterin gewählt. Judith Harrison, die über viele Jahre die Ortsgruppe führte, wird als Beisitzerin den Toteiskesselweg weiterhin betreuen. Zusätzlich wird Walter Tiefel den Vorstand als Beisitzer unterstützen. Die neue Ortsgruppenvorsitzende Dipl. Ing. Heide Schmidt-Schuh benannte zwei Schwerpunkte für ihre zukünftige Arbeit: sie will sich durch vielfältige Aktionen dafür einsetzten, dass jüngere Mitglieder zur Mitarbeit gewonnen werden und sich außerdem verstärkt um die Bauleitplanung im Ortsgruppengebiet kümmern.

Historischer Überblick

Die Ortsgruppe Haag i. Obb., die 1983 als erste Ortsgruppe im Landkreis Mühldorf gegründet wurde, betreut ca. 100 Miglieder in den Gemeinden Haag, Maitenbeth, Kirchdorf, Rechtmehring und Gars.

Sie bietet sowohl Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen, so zum Beispiel zu den Risiken der Agro-Gentechnik, zum Ausstieg aus der Atomkraft hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung, zu nachwachsenden Rohstoffen und ähnlichen Themen. Daneben werden Vorträge angeboten, beispielsweise zur Entstehung der Landschaft im Gebiet der Ortsgruppe und zu besonderen Biotopen mit den dort anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten. Immer wieder werden auch naturkundliche Wanderungen angeboten.  

Auch im Bereich der Ortsplanung sind die Haager BN-ler aktiv. Sie erarbeiten Stellungnahmen zu öffentlichen Planungen (Bebauungspläne u.a.).

Um den Gedanken vom Umweltgipfel in Rio 1992 im Haager Land zu verwirklichen, hat die Ortsgruppe 1998 maßgeblich an der Gründung einer AGENDA 21 Gruppe in Haag beigetragen, die bereits aktiv an vielen Verbesserungsmöglichkeiten arbeitet.

  Ihre Ansprechpartnerin:

  • 1. Vorsitzende: Dipl. Ing. Heide Schmidt-Schuh, Tel.: 08072-372330