Zur Startseite

Kinder+Jugend

Gefährdungen der Toteiskessel

Die Toteiskessel bei Haag entstanden vor ca. 18.000 Jahren während der Würmeiszeit. Toteiskessel aus älteren Vereisungsphasen (vor 2,5 Mio.-130.000 Jahren) sind im Laufe der Zeit durch eingeschwemmtes oder eingewehtes Material und Bodenfließen aufgefüllt worden. Zwar stellen Toteiskessel in geologischen Zeiträumen betrachtet nur recht kurzlebige Bildungen dar, doch hat in den letzten Jahrhunderten der Mensch mehr Toteiskessel eingeebnet als in den Jahrtausenden davor allein durch natürliche Einflüsse verschwunden sind. Als stumme Zeugen der Eiszeit sind zerstörte Toteiskessel unwiederbringlich verloren, das belebte Landschaftsbild verarmt.

Kurzlebige Erscheinung

Im Gelände sind heute meist nur noch Toteiskessel aus der letzten Vereisungsphase, der Würmeiszeit, sichtbar. Solche aus älteren Vereisungsphasen sind inzwischen durch Materialeinschwemmung und Bodenfließen aufgefüllt bzw. unter Löß (eiszeitlicher Flugstaub) und jüngeren Deckschichten begraben worden. Daher sind beispielsweise im Altmoränengebiet nördlich von Kirchdorf und Berg keine Toteiskessel mehr auffindbar. 

Natürliche Ursachen des Verschwindens

Weiher bzw. wassergefüllte Toteiskessel verlanden über die Zeit aufgrund des absterbenden Pflanzenmaterials und eingeschwemmter Bodenpartikel. Verlandung ist somit ein natürlicher Prozess.

Bodenfließen (Solifluktion)

Bodenfließen (Solifluktion) ist vor allem für das Verschwinden der Toteiskessel in älteren Eiszeitablagerungen verantwortlich. Unter eiszeitlichen Bedingungen entwickelten sich tiefreichend gefrorene Dauerfrostböden, die nur im Sommer oberflächlich auftauten. Die Auftauschicht ist vom Schmelzwasser völlig durchweicht und gerät bereits bei geringer Hangneigung ins Fließen. Die steilen Ränder der Toteiskessel verflachten bis zum völligen Ausgleich der Hohlform. In geringem Umfang tritt Bodenfließen auch heute noch bei den winterlichen Frostwechseln auf.


Warum verschwinden Toteiskessel?

Auch wenn Verlandung ein natürlicher Prozess ist, hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten viele Toteiskessel eingeebnet, weil sie der zunehmend intensiveren und großflächigeren Landwirtschaft im Wege standen.

Verfüllung

Viele Toteiskessel werden immer noch als Abladeplatz für Bauschutt, Lesesteine, Astwerk und Schnittgut benutzt. Während durch die vollständige Verfüllung das Biotop gänzlich zerstört wird, beeinträchtigen abgelagerte Grünabfälle wie Astschnitt, altes Heu, oder Gartenabfälle durch Nährstoffeinträge das Gewässer.

Entwässerung

In der Landschaft nicht immer erkennbar ist die Beeinträchtigung durch Ausleitung und Drainagen. Durch Austrocknung wird die Feuchtvegetation zerstört.

Nährstoffanreicherung

Viele Kessel grenzen an intensiv genutzte Äcker und Wiesen. Landwirtschaftlich ausgebrachte Düngestoffe (z.B. Gülle) gelangen durch Abschwemmung und Auswaschung oder Drainagen in die Kesselbiotope. Der Lebensraum für seltene Pflanzenarten, die auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesen sind, wird dadurch stark beeinträchtigt oder zerstört. Besonders die Einleitung von düngemittelbelastetem Drainagewasser begünstigt die Nährstoffanreicherung im Toteiskessel und trägt zum vermehrten Pflanzenwachstum und somit zur beschleunigten Verlandung bei.

Beschattung

Es ist ein natürlicher und immer wiederkehrender Vorgang, dass phasenweise Gehölze in Feuchtflächen auftreten. Bei langanhaltenden Überschwemmungen sterben Bäume, die in trockeneren Perioden wieder aufkommen. Bäume und Sträucher können jedoch den Boden derart beschatten, dass Gräser und Blütenpflanzen stark zurückgehen.
Bei vielen Kesseln reichen Fichten inzwischen bis unmittelbar an das Ufer. Von Natur aus sind die Kessel mit Mischwald umgeben. Diese erlauben im Frühjahr eine Besonnung der Wasserfläche, was das Tier- und Pflanzenleben fördert. Dagegen sind Kessel im Fichtenforst oft ganzjährig beschattet und dadurch artenärmer als bei natürlicher Umgebungsvegetation.

Flurbereinigung

Zur Neu- oder Ödlandgewinnung, wie auch zur Verbesserung der Nutzflächen, sind im letzten Jahrhundert Moore und Mineralböden umgebrochen und planiert worden; auch östlich von Haag. Diese Maßnahmen zur Neu- oder Ödlandgewinnung wurden finanziell gefördert und überwiegend mit eigenem Personal sowie Geräten des staatlichen Maschinenparks Karolinenfeld (Rosenheim) vollzogen. Der Großteil der Planierungs- und Drainierungsmaßnahmen in der Region erfolgte im Zeitraum zwischen 1947 und 1965. Eingriffe der Flurbereinigungsbehörde München wurden dagegen in der Haager Soll-Landschaft während dieses Zeitraumes relativ selten durchgeführt und bestanden meist nur aus Flächentausch-Maßnahmen wie z. B. 1960 in Oedenberg. Trotzdem bewirkten die Arbeiten gravierende Änderungen in der Moränenlandschaft.