„Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ – Naturschutzweiden für Fledermäuse im Landkreis Mühldorf

Zu den Weideflächen des BUND Naturschutz im Landkreis Mühldorf kommen 2026 weitere hinzu. Die Kreisgruppe Mühldorf beteiligt sich an einem bayernweiten Projekt, bei dem Rinder, Ponys und Co. als Landschaftspfleger auf Wilden Weiden eingesetzt werden.
„Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ heißt das fünfjährige Verbundprojekt vom BUND Naturschutz, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und neun weiteren Landschaftspflegeverbänden aus ganz Bayern. Ziel ist es, durch das Anlegen von wilden, naturnahen Weiden bedrohte Fledermausarten zu fördern. Dazu zählen z.B. die Großen Abendsegler, die im Landkreis Mühldorf von Spätsommer bis Frühjahr in großer Zahl anwesend sind. Fledermäuse finden auf den Naturschutzweiden viele Insekten als Beute. Die Population wird gestärkt.
In Gweng und an den Innauen bei Pürten, beide südlich der Stadt Mühldorf, ist die Beweidung im Frühjahr 2026 bereits gestartet. Und nicht nur im Landkreis Mühldorf, auch in Rosenheim und Dillingen schafft der BUND Naturschutz in den nächsten Jahren Wilde Weiden für „Fledermausschutz durch Kuh und Co.“.

Das Projekt „Fledermausschutz durch Kuh & Co.“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms gefördert.
Mehr zum Hintergrund des Projekts auf der Seite des Bundesamt für Naturschutz.
Wilde Weide Gweng

Eine der neuen Weiden im Projekt „Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ liegt bei Gweng. Sie wird von der Familie Reißaus gepflegt.
Robuste Murnau-Werdenfelser Rinder grasen mit Ponys auf einer Magerwiese nahe des Inn. Die Beweidung und Pflegemaßnahmen, wie das Anlegen von Totholz-Haufen als „Tierhotels“, schaffen vielfältige Lebensräume auf der trockenen Fläche. Davon profitieren zahlreiche Insekten und damit die hier jagenden Fledermäuse. Auch Reptilien wie die Zauneidechse, Ringelnatter, Schlingnatter fühlen sich wohl.
Beweidung der Innauen
Die Innauen zwischen Jettenbach und Mühldorf werden dank des Projekt „Fledermausschutz durch Kuh & Co.“ mit einer Rinderherde beweidet. Dieses Jahr zunächst in den Auen bei Wörth, nahe Waldkraiburg. Die Beweidung stärkt die Insektenpopulation am Innufer. Das schafft ein reichhaltiges Nahrungsangebot für die Fledermausarten, die hier jagen, wie der Große Abendsegler, die Rauhautfledermaus und die Zwergfledermaus.
Aber wie funktioniert die Beweidung auf der über 100 Hektar großen und unwegsamen Fläche?
Wir gehen über den Zaun hinaus: der BN belebt den Beruf „Rinderhirte“ wieder. Dank Behirtung braucht es keinen festen Zaun. Die gelenkte Beweidung ermöglicht es, auch schwer zugängliche Flächen zu pflegen. Gleichzeitig steuern die Hirt*innen den Fraß und Tritt der Tiere gezielt, um die dichte Vegetation zu öffnen. So fressen die Rinder das wuchernde Springkraut oder drücken es platt. Es entstehen offene Bodenstellen für die Keimung typischer Auenpflanzen, etwa der Grauerle.
Hirten für den Naturschutz

Die BN-Rinderhirten im Projekt „Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ heißen Martina und Marko.
Martina hat viel Erfahrung mit grasenden Tieren gesammelt, auf einer Farm in Neuseeland, als Leiterin eines Biobauernhofs und auf einer Alm. Sie brennt mit Leib und Seele für ökologische Landwirtschaft und freut sich über jedes Nutztier, das artgerecht draußen leben darf.
Marko kam über Umwege zum Hirtentum. Als er Vollzeit-Papa wurde, erfüllte er sich zunächst als Hobby seinen Traum einer eigenen kleinen Rinderherde. Dann beteiligt er sich an ersten Weideprojekten mit seinen robusten Rindern der Rasse Rätisches Grauvieh.
Heute ziehen Martina und Marko als Berufshirten im Auftrag des Naturschutz durch den Auwald. Erfahrt mehr über die Herausforderungen und schönen Momente des Hirtendaseins. Folgt dem Hirtentagebuch auf Instagram oder Mastodon.
Internationales Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums 2026
Bis vor etwa 100 Jahren waren Rinderhirten und Herden überall in Bayern und auch im Inntal gegenwärtig. Hirten erbrachten wichtige Leistungen für die Landwirtschaft, Gesellschaft und die Natur. Das Verschwinden des Berufs machte Beweidung schwerer, viel Fachwissen ging verloren z.B. zum Umgang mit Nutztieren im freien Gelände. Moderne Hirt*innen können diese Lücken heute wieder füllen.
Immer mehr Organisationen forden die Rückkehr des Hirtentums im Sinne des Naturschutzes. Die Vereinten Nationen würdigen Hirt*innen 2026 mit einem Themenjahr und auch in Deutschland kommen Landwirtschaft und Naturschutz in diesem Jahr zusammen und setzen sich gemeinsam für Hirtentum und Beweidung ein.









